Die pure Imagination
In die abstrakten Rakel-Bilder Gerhard Richters kann man vieles hineindeuten. Auch einen impressionistischen, gelb-grün gehaltenen Lichterdom eines Waldstücks. Und genauso sieht in Mainz der an Richters Stil angelehnte Bühnenhintergrund aus für Janáčeks Tier-Oper «Das schlaue Füchslein». Doch halt! Erleben wir hier wirklich singende Tiere auf der Bühne? Im Grunde ist Janáčeks Ansatz ein ähnlicher wie der von Richter. Die Vorstellung von singenden Tieren muss sich in unserem Kopf ergeben. Die Imagination des Komponisten jedenfalls ist perfekt.
Seine Methode, Sprachmelodien auf die Instrumente zu übertragen, hat er in diesem Fall auch auf die Sphäre des Animalischen ausgeweitet. Der Regisseur Erik Raskopf folgt dieser technisch perfektionierten Vorspiegelung einer merkwürdigen Realität. Die Sängerinnen und Sänger stellen auf Christoph Schubigers Bühne Tiere nicht dar, sie verkörpern sie mit schön und genau gearbeiteten Masken. Lediglich die Schar der Hühner, schon im Original die am deutlichsten domestizierte und entfremdete Legebatterietruppe, tritt als spießiges Damenkränzchen mit Handtäschchen auf. Selbst die widerspenstig gesinnte Füchsin kann sie nicht befreien. Sondern nur ...
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Opernwelt August 2025
Rubrik: Panorama, Seite 54
von Bernd Künzig
Plötzlich wird es ganz unheimlich. Eine weiße Gestalt kommt die Himmelsbrücke hinab, ein Abgesandter des Herrn: Auf ihn ist Verlass, so verspricht das solistische Vokalquartett, denn «keiner wird zu Schanden, der seiner harret». Und wer da mit allen Fasern seines Herzens auf den Herrn wartet, ist der Prophet Elias, der seinen Gott vertrauensvoll beschwört – «der du...
Antonio Caldara gilt schon lange nicht mehr als jener barocke Kleinmeister, als den man ihn lange Zeit klassifiziert hatte. Für seine Zeitgenossen war er einer der bedeu -tendsten Komponisten überhaupt, seine Berufung an den Wiener Kaiserhof Karls VI., an dem er von 1716 bis zu seinem Tod 1736 wirkte, und die enorme Verbreitung seiner Musik in ganz Europa...
Wir vernehmen die schwer auf ihrer Seele lastenden Atemzüge einer Sterbenden: Die noch junge Frau ringt sie sich mit Hilfe eines Sauerstoffgeräts ab – bevor man im Graben jene schwervernebelten Streicherklänge des Vorspiels zum dritten Akt vernimmt, die von baldiger Erlösung zu künden scheinen. Und weil Violettas Verlöschen zum Längsten gehört, was Verdi je für...
