Im Garten der Verlockungen
Schon Hermann Bahr wusste es: «Was zieht im Theater? Was den Frauen gefällt. Was gefällt den Frauen? Was von ihrer Sache handelt. Was ist ihre Sache? Was sie Liebe nennen.» Zwar galt die ätzende Bemerkung des Schriftstellers und Kritikers der Komödie «Candida» von George Bernard Shaw, doch darf man sie durchaus auch auf die Operette beziehen, als aphoristisches Augenzwinkern sozusagen. Gewähre dieses Genre der Frau doch «eine ganz spezielle Position», wie Diana Damrau im Booklet ihres Albums «Operette» feststellt.
Die Protagonistin sei eben nicht die «untergebutterte» Frau, «die am Ende ihr Leben lassen muss, sondern die Diva, die aus jeder Situation das Beste herausholt», da sie sich der gängigen Moralvorstellung widersetze und damit das damals vorwiegende Männerpublikum begeistert habe. Das passt auch gut zum heutigen Zeitgeist, hat diesen sogar vorweggenommen – obschon etwa der Text von Robert Stolz’ «Du sollst der Kaiser meiner Seele sein» zu Beginn des Albums eher Gegenteiliges suggeriert ...
Wie auch immer: Es ist ein zweifellos anziehender Bereich, gewissermaßen ein Garten der Verlockungen. Manche der großen Opern-Primadonnen erlag diesem Zauber und spielten Operetten-Alben ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt April 2024
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 37
von Gerhard Persché
Das Beben in der Gelehrtenrepublik war weithin spürbar, als Mitte Februar der Ägyptologe Jan Assmann hochbetagt verstarb. Es ist wohl kaum vermessen, wenn man ihn zu den bedeutenden deutschen Kulturwissenschaftlern der (Spät-)Moderne zählt. Ausgestattet mit einem bestechenden Sinn für Systematik, war Assmann nicht nur auf seinem Spezialgebiet eine Koryphäe, er...
Clair-Obscur», so war jene 2021 erschienene CD betitelt, auf der Sandrine Piau die zwischen Licht und Schatten changierende spätromantische Liedkunst von Richard Strauss, Alexander von Zemlinsky und Alban Berg erkundete. Jetzt widmet sie sich, unter dem Stichwort «Reflet», den Widerspiegelungen von Poesie und Gesang in der französischen Musik des 19. Jahrhunderts....
Jeder hat sein Guilty Pleasure, wie man neudeutsch zu einem Laster sagt. Genussmittel wie Alkohol fallen darunter, Lebensmittel wie Schokolade, auch wer sich wochenends auf ausgiebige Shopping-Tour begibt, ist nicht freizusprechen. Gemeint ist eben alles, was man nicht nur ab und zu, sondern regelmäßig tut, kauft und konsumiert – und das im Geheimen, weil es Dinge...
