Im Garten der Verlockungen
Schon Hermann Bahr wusste es: «Was zieht im Theater? Was den Frauen gefällt. Was gefällt den Frauen? Was von ihrer Sache handelt. Was ist ihre Sache? Was sie Liebe nennen.» Zwar galt die ätzende Bemerkung des Schriftstellers und Kritikers der Komödie «Candida» von George Bernard Shaw, doch darf man sie durchaus auch auf die Operette beziehen, als aphoristisches Augenzwinkern sozusagen. Gewähre dieses Genre der Frau doch «eine ganz spezielle Position», wie Diana Damrau im Booklet ihres Albums «Operette» feststellt.
Die Protagonistin sei eben nicht die «untergebutterte» Frau, «die am Ende ihr Leben lassen muss, sondern die Diva, die aus jeder Situation das Beste herausholt», da sie sich der gängigen Moralvorstellung widersetze und damit das damals vorwiegende Männerpublikum begeistert habe. Das passt auch gut zum heutigen Zeitgeist, hat diesen sogar vorweggenommen – obschon etwa der Text von Robert Stolz’ «Du sollst der Kaiser meiner Seele sein» zu Beginn des Albums eher Gegenteiliges suggeriert ...
Wie auch immer: Es ist ein zweifellos anziehender Bereich, gewissermaßen ein Garten der Verlockungen. Manche der großen Opern-Primadonnen erlag diesem Zauber und spielten Operetten-Alben ...
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Opernwelt April 2024
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 37
von Gerhard Persché
Meiningens Intendant Jens Neundorff von Enzberg liebt es, tief und ausführlich in die Geschichte zu schauen und dann Ungewöhnliches ans Licht zu befördern. In den letzten Jahren holte er etwa «Santa Chiara» aus der Versenkung, eine Oper des kunstsinnigen Herzogs Ernst II. von Sachsen-Coburg und Gotha, der das Theater einst zum weit über Landes- und Standesgrenzen...
Und die Moral von der Geschicht’: Auch wenn die Karriere lockt (und vielleicht ein anderer Mann), auch wenn die Fremde Neues und Aufregendes überm Tellerrand verheißt – am schönsten ist es doch im Dorf bei Franjo. Wo es munter trachtelt und fröhlich Sonne, Blumen und Wälder besungen werden. Lange vor dem Urknall der Emanzipation ist dieses Stück entstanden, wie so...
Die Entscheidung fällt nicht eben leicht: Soll man Lehárs «Lustige Witwe» nun toll finden oder doch eher ein bisschen doof? Wäre der Maßstab die Art und Weise, wie Patrick Hahn den orchestralen Entr’acte mit der Melodie des Vilja-Lieds vor dem Finalakt dirigiert und dabei jede feine Nuance dieses melancholischen Klangbildes hervorzaubert, fiele das Votum klar aus:...
