Abschiedswalzer
Die Entscheidung fällt nicht eben leicht: Soll man Lehárs «Lustige Witwe» nun toll finden oder doch eher ein bisschen doof? Wäre der Maßstab die Art und Weise, wie Patrick Hahn den orchestralen Entr’acte mit der Melodie des Vilja-Lieds vor dem Finalakt dirigiert und dabei jede feine Nuance dieses melancholischen Klangbildes hervorzaubert, fiele das Votum klar aus: Das ist wirklich famos instrumentiert. Im Gegenzug muss man allerdings die misogynen Zeilen von der Schwierigkeit des Studiums der Weiber über sich ergehen lassen.
Das kracht dann als finales, lärmig-blödes Männertheater über die Bühne, bevor es abrupt mit aufgerissenen Mündern und hochgerissenen Händen einfriert. In Barrie Koskys Inszenierung ist das Ende hier aber noch nicht ganz erreicht. Der Haufen verschwindet hinterm Rundvorhang, davor erscheint das nach langen Wirren endlich vereinte Paar Hanna Glawari und Danilo Danilowitsch am Flügel. Von der Solovioline zartfühlend intoniert, erklingt der Schlager «Lippen schweigen», dann tritt der Graf hinter den Vorhang. Zurück bleibt die alternde Hanna und umarmt das Bild des Liebsten. Dieses berührend innige Bild eines versöhnlichen Abschieds bricht einem dann doch das Herz ...
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Opernwelt April 2024
Rubrik: Panorama, Seite 51
von Bernd Künzig
Das Christentum und seine Sexualmoral – es ist ein langes, leidiges Kapitel in der Geschichte mit vielen unguten Nebenerscheinungen. Daran hat sich, insbesondere was die katholische Lehre angeht, bis heute kaum etwas geändert – lediglich der Machteinfluss, um vorehelichen Sex zu verbieten oder gleichgeschlechtliche Beziehungen zu strafen, ist verschwunden. Dabei...
Bühnenbilder von Karl-Ernst Herrmann bewegten sich immer «in einer unnachahmlichen Spannung zwischen den hinreißenden Details und dem großen Ganzen Schönen», schrieb Gerhard Stadelmaier 2018 in seinem Nachruf für die FAZ. Das große Ganze, meistens auch Schöne ist bekannt: Herrmanns Anfänge mit Kurt Hübner in Ulm und Bremen, die höchst individuellen (Ent-)Würfe für...
Wäre dieser Zyklus ein Berg, man läge gewiss kaum falsch, wenn man ihn mit dem Mount Everest vergleichen würde. Strauss’ «Vier letzte Lieder» auf Verse Hermann Hesses und Joseph von Eichendorffs sind der einsame, für viele unerreichbare Gipfel spätromantischer Liedkunst, gleichsam deren exzentrisch-introspektiver Epilog. Tiefliegende Empfindsamkeit verbindet sich...
