Abschiedswalzer
Die Entscheidung fällt nicht eben leicht: Soll man Lehárs «Lustige Witwe» nun toll finden oder doch eher ein bisschen doof? Wäre der Maßstab die Art und Weise, wie Patrick Hahn den orchestralen Entr’acte mit der Melodie des Vilja-Lieds vor dem Finalakt dirigiert und dabei jede feine Nuance dieses melancholischen Klangbildes hervorzaubert, fiele das Votum klar aus: Das ist wirklich famos instrumentiert. Im Gegenzug muss man allerdings die misogynen Zeilen von der Schwierigkeit des Studiums der Weiber über sich ergehen lassen.
Das kracht dann als finales, lärmig-blödes Männertheater über die Bühne, bevor es abrupt mit aufgerissenen Mündern und hochgerissenen Händen einfriert. In Barrie Koskys Inszenierung ist das Ende hier aber noch nicht ganz erreicht. Der Haufen verschwindet hinterm Rundvorhang, davor erscheint das nach langen Wirren endlich vereinte Paar Hanna Glawari und Danilo Danilowitsch am Flügel. Von der Solovioline zartfühlend intoniert, erklingt der Schlager «Lippen schweigen», dann tritt der Graf hinter den Vorhang. Zurück bleibt die alternde Hanna und umarmt das Bild des Liebsten. Dieses berührend innige Bild eines versöhnlichen Abschieds bricht einem dann doch das Herz ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt April 2024
Rubrik: Panorama, Seite 51
von Bernd Künzig
alpha
07.04. – 22.40 Uhr BR-Klassik: Mariss Jansons dirigiert
«Ein Überlebender aus Warschau», Arnold Schönbergs Melodram über eine Schreckensszene des Holocaust, geht in diesem Konzert vom Mai 2017 dem Requiem d-Moll von Wolfgang Amadeus Mozart voraus.
arte
01.04. – 00.30 Uhr Joseph Haydn: «Die sieben letzten Worte des Erlösers am Kreuze»
Neben Joseph Haydns Werk...
Das ganze Leben in einem Pappkarton? Manchmal passiert es. María, das traurige Tango-Kind aus den Straßen von Buenos Aires erlebt nach ihrem Tod ein solches Schicksal. Sie wird zur Akte. Aber damit nicht genug. Sie muss ihr Leben, das alles andere war als ein Zuckerschlecken, noch einmal durchleiden, 90 Minuten lang: die von Armut beschwerte Kindheit, der kurze...
Im vergangenen Juli legte die Gewerkschaft Les Forces musicales, die 51 französische Opernhäuser und Orchester vertritt, eine konsternierende Broschüre vor. «La Saison fantôme» betitelt, stellte sie eine Auswahl von 19 «Geister-Produktionen» vor, die das Publikum diese Spielzeit nicht oder nur in flüchtigen Umrissen zu sehen bekommt. Abgesagte Produktionen oder...
