Im Focus der Ausgabe Januar 2011
Seit achtzig Jahren war Hector Berlioz’ Mammut- und Meisterwerk «Les Troyens» nicht mehr in Berlin zu erleben. Die Deutsche Oper wagt sich jetzt daran. Am Pult steht, fünf Stunden lang, Donald Runnicles, der neue Musikchef des Hauses. Das andere Mammut- und Meisterwerk des 19. Jahrhunderts, «Der Ring des Nibelungen», wird derzeit an der Oper Frankfurt produziert: eine besondere Herausforderung, denn dort liefen zuvor die epochalen «Ring»-Zyklen von Ruth Berghaus und Michael Gielen bzw. von Herbert Wernicke und
Sylvain Cambreling.
Wenn in Wien die Philharmoniker ausfliegen, um auf Konzerttournee Geld zu machen, bedeutet das keinen Verlust für die Opernszene. Im Gegenteil: Marc Minkowski hat Les Musiciens du Louvre auf die akustischen Verhältnisse in der Wiener Staatsoper eingeschworen, und so läuft dort erstmals seit Urzeiten eine Barockoper – mit glänzendem musikalischen Erfolg. Auch das Theater an der Wien kann mit einem charismatischen Dirigenten prunken: René Jacobs leitet «La finta giardiniera» von Mozart. Als vielseitige Opernstadt glänzt ebenso Paris: Matthias Goerne singt unter Christoph Eschenbach «Mathis der Maler» von Hindemith, Altmeister Peter Brook vereinfacht die ...
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Opernwelt Januar 2011
Rubrik: Im Focus, Seite 4
von Stephan Mösch, Albrecht Thiemann
Windschief. Ungeduldig hingefläzt. Die Schiebermütze in den Nacken gedrückt rutscht Krzysztof Warlikowski auf dem Regiestühlchen hin und her, von dem er sich zur Begrüßung nur ganz kurz, für ein sehr müdes Lächeln, erhoben hat. Sein Tag sei schlecht gewesen, entschuldigt er sich. Die Proben zum «Rake’s Progress» von Strawinsky, die er an der Berliner Staatsoper...
Herr Kränzle, seit Längerem wird eine Krise des Wagner-Gesangs beklagt. Bemängelt wird unter anderem fehlende Textverständlichkeit. Betrachtet man in diesem Zusammenhang die «Rheingold»-Produktion der Berliner Staatsoper am Schiller Theater, in der Sie den Alberich singen, gibt es drei Möglichkeiten. Erstens: Sie sind einfach gut. Zweitens: Daniel Barenboim sorgt...
Der erste Eindruck, der sich im Verlauf der ungeheuerlichen, mit paramusikalischen Klängen unterlegten Sturmszene einstellt: dass der 82-jährige Colin Davis im Dezember 2009 mit dem London Symphony Orchestra wohl – gefühlte Zeit – die «schnellste» Aufführung von Verdis «Otello» geleitet hat. Sie hat einen ähnlichen rhythmischen Drive wie die legendäre Aufführung...
