Komikfreie Zone
Seltsamer Fall: Auf der Jahrespressekonferenz der Komischen Oper Berlin war Intendant Andreas Homoki gefragt worden, was ihn geritten habe, ausgerechnet den prononcierten Dekonstrukteur Sebastian Baumgarten mit der Neuinszenierung des Singspiels «Im Weißen Rössl» von Ralph Benatzky zu betrauen. Prompt wurde Baumgarten zahm. Die gut aufgenommene Premiere ist nicht die schlechteste Aufführung des Hauses. Mit Dagmar Manzel hat man einen veritablen Theater-Star.
Mit der Erik Charell-Fassung der Uraufführung von 1930 einen erheblichen Wiederentdeckungswert (die Urfassung wurde erst 2009 in Zagreb aufgefunden und an der Dresdner Staatsoperette erstmals wiederaufgeführt). Die Schwäche der Produktion freilich macht dem Ganzen fast schon wieder den Garaus: Mit mehr als dreieinhalb Stunden Aufführungsdauer erstickt man zwar nicht an Amüsement, aber doch an mangelndem Timing und zu vielen guten Absichten.
Immerhin: resche Dirndl, Jodel- und Kalauer-Einlagen satt! Auf der Klappfassade seines Gasthauses am Wolfgangsee hat Baumgarten eine Devise ausschreiben lassen: «Denn man sieht allmählich ein / man muss hübsch bescheiden sein». Grundübel dennoch: die völlige Humorlosigkeit der Aufführung. In ...
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Opernwelt Januar 2011
Rubrik: Panorama, Seite 37
von Kai Luehrs-Kaiser
Der Eiserne Vorhang hat die Teile der einstigen Donaumonarchie noch gründlicher getrennt als der Frieden von 1918. Österreich orientierte sich 1945 westlich, wirtschaftlich wie kulturell. Eine Wiedervereinigung der Kronländer der Monarchie wird es nicht geben. Doch Österreich und seine slawischen Nachbarn sind einander wieder näher gerückt. Jetzt erinnert man sich...
Pech für den Intendanten und Regisseur. Obwohl er mit einem Mikrofon ausgestattet den Vorhang teilt – wir verstehen kein Wort von ihm. Die Vertreter des Publikums, die «Tragischen» und die «Komischen», die «Lyrischen» und die «Hohlköpfe», die ihn aus den Proszeniumslogen chorisch bedrängen, übertönen den Hausherrn locker. Doch keine Bange, Marc Adam verschafft sich...
Berlioz ohne Orchester ist wie Rembrandt ohne Licht. Deshalb muss man zweifellos dankbar sein, dass das Orchester der Deutschen Oper Berlin die Premiere von «Les Troyens» gespielt hat. Es hätte auch streiken können, denn es befindet sich, wie ein Handzettel am Eingang verkündet, «im offenen Tarifkonflikt». (Wir haben das Thema in dieser Zeitschrift schon...
