Im falschen Gewand
Recycling ist zweifellos eine gute Sache. Und statt Fast-Fashion-Shopping zu betreiben, sollte man von Zeit zu Zeit mal den eigenen Kleiderschrank durchforsten. Doch was für die private Garderobe gilt, empfiehlt sich nicht unbedingt für die Ausstattung einer Oper. 2021 sollten «Die Barbaren» von Camille Saint-Säens an der Oper Leipzig herauskommen. Die Produktion fiel der Corona-Pandemie zum Opfer, Bühnenbild und Kostüme für die riesig besetzte Aufführung waren zu diesem Zeitpunkt aber bereits fertig.
In der Inszenierung von Anthony Pilavachi wurden sie nun kurzerhand Vincenzo Bellinis «Norma» übergezogen. Trotz einiger Anpassungsversuche der Kulissen an den neuen Stoff fühlte man sich angesichts dieser radikalen Recycling-Praxis zeitweilig wie im falschen Stück.
Der Regisseur verlegte das Operndrama aus dem von den Römern besetzten Gallien des 1. Jahrhunderts v. Chr. in die Zeit des Ersten und des Zweiten Weltkrieges. Auf einer hohen Mauer leuchtet ein blutroter Schriftzug: «Fuori i fascisti!» (Faschisten raus!). Davor patrouillieren Männer in blauen Uniformen – unschwer zu erkennen als französische Soldaten aus dem Ersten Weltkrieg. Die römischen Besatzer hingegen tragen die ...
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Opernwelt Februar 2025
Rubrik: Panorama, Seite 35
von Silvia Adler
Rien ne va plus? Au weia!» Mit diesem Geflachse, als hätten sie’s geahnt, beginnt das Editorial der Stuttgarter «Oper im Winter» zur Aufführung von Ralph Benatzkys «Casanova» auf Musik von Johann Strauss. Einen solchen künstlerischen GAU hat das Haus seit 2006 nicht mehr erlebt. Damals kam Klaus Zehelein bei seiner allerletzten Premiere der Regisseur abhanden,...
Mit dem Thema «Balzac und das Lied» wäre nichts zu holen, meint Romain Benini im Booklet des Albums «Chansons Balzaciennes», vergisst jedoch, dass Musik im Œuvre des großen französischen Epikers durchaus von Bedeutung ist. Allerdings ließe sich damit eine Schneise in den kulturellen Untergrund der Gesellschaft schlagen, die der Dichter in seiner «Comédie humaine»...
Das Theater als Tollhaus? Bitte, hier haben wir es! 1500 Schulkinder veranstalten schon vor Beginn der «Familienoper zur Weihnachtszeit» eine Party, wie sie so nicht im Buche steht, jedenfalls nicht in dem jener Erzieherinnen, die sich nach Kräften mühen, die Begeisterung zu dämpfen, damit man die Musik aus dem Graben, wo Neil Valenta seines Amtes waltet, zumindest...
