Im falschen Film
«Lohengrin» hat gegenwärtig Konjunktur (siehe OW 5/2009). Zwischen den beiden Extremen, Stefan Herheims überbordender und das Stück wohl auch überfordernder Assoziationsfülle in Berlin und Stanislas Nordeys visionärer Askese (oder was davon in Stuttgart übrig blieb), hat sich Jens-Daniel Herzog in Frankfurt für den Mittelweg, die realistische, die psychologische Lesart, entschieden.
Elsa, Bürgersmädchen in geblümtem Rock und blauem Strickjäckchen, sucht in illusionärer Verkennung von Traum und Wirklichkeit ihren Prinzen und dieser – langhaariger Altrocker in Lederjeans, Held und Erpresser in einem – die Erlösung durch das Weib. Das Ganze, so Herzogs und seines Bühnenbildners Mathis Neidhardts schlagender Einfall, spielt in einem Kinosaal, dem Traumpalast der Masse. Wir sehen Elsa zu Beginn in Begleitung ihres kleinen Bruders – bei Wagner der ominöse Herzog Gottfried, dessen märchenhafte Wiederkehr am Ende kaum eine «Lohengrin»-Inszenierung je verständlich, gar glaubhaft macht –, sehen, wie ihn die als Eisverkäuferin getarnte Ortrud entführt. Elsa wird des Mordes angeklagt, und die Szene wandelt sich zum Tribunal. Sie wähnt sich im falschen Film und erleidet einen Filmriss – ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Die meisten amerikanischen Innenstädte umgibt ein Ring aus undefinierbaren Lagerhäusern, Autobahnauffahrten und heruntergewirtschafteten Gebäuden. Das ist auch in Kansas City so. Genau in diesem Milieu entsteht derzeit jedoch eines der aufregendsten und ambitioniertesten neuen Opernhäuser der Vereinigten Staaten.
Das neue «Metropolitan Kansas City Performing Arts...
Die Unsitte, Klassik-Stars wie ihre Kollegen aus der Pop-Branche als Sexsymbole zu verkaufen, treibt weiterhin seltsame Blüten. Die EMI glaubte nun, ein anspruchsvolles Programm mit dem verheißungsvollen Titel «Midsummer Night» durch Hochglanzfotos der Interpretin «an den Mann» bringen zu können. Die englische Sopranistin Kate Royal, durchaus mit Model-Qualitäten...
Plácido Domingo, Generaldirektor der Los Angeles Opera, hatte sich für den ersten «Ring» in der kalifornischen Metropole etwas Außerordentliches gewünscht. Zunächst schwebte ihm ein «Star Wars»-Treatment in Zusammenarbeit mit dem Hollywood-Mogul George Lucas vor. Doch als die Produktionskosten auf über 80 Millionen Dollar anwuchsen, musste er sich etwas anderes...
