Im Ersatzteillager
Zu den ersten c-Moll-Drohgebärden im Orchestervorspiel kommt eine bitter schluchzende Arlecchino-Figur auf die Bühne. Rigoletto? Nein. Monterone ist’s, der den Hofnarren und seinen Herzog ob ihrer Verbrechen und zynischen Haltung wenig später verfluchen wird. Mitleid erfährt er auch jetzt nicht, im Gegenteil. Sardonisches Gelächter erntet der Graf von Rigoletto, von den Hofschranzen und schließlich vom Herzog. Ein starker Anfang ist das, der in der Schlussszene seine dialektische Umkehrung erfahren wird. Nun ist Rigoletto der Leidende, der Bestrafte. Und wieder lachen alle.
Mit einer Ausnahme: Monterone und sein Kind stehen schweigend in der Menge.
Das ist der Rahmen, den Emily Hehl für ihre Auseinandersetzung mit Giuseppe Verdis Oper gesetzt hat: bitter, hämisch, aggressiv. Und zwar in einer offenen Szene auf der Drehbühne von Agata Skwarczynska, die dominiert wird vom Orchester, das dort in den ersten beiden Akten wie im Halbrund eines Amphitheaters nach oben gestaffelt sitzt. Eine Notwendigkeit dafür ist gleichwohl kaum erkennbar; es drängt sich die Assoziation Zirkus und Manege auf. Denn auch die Gesellschaft in ihren bunten, mit Elementen der Commedia dell'Arte spielenden ...
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Opernwelt März 2026
Rubrik: Panorama, Seite 53
von Alexander Dick
arte
01.03. – 17.35 Uhr
Sternstunden der Musik: Nikolaus Harnoncourt dirigiert Monteverdis «L’Orfeo»
Dirigent Nikolaus Harnoncourt brachte die Oper in der Regie von Jean-Pierre Ponnelle 1975 zur Aufführung – im Klang so originalgetreu wie möglich, in der Umsetzung mythisch-phantastisch. Die Verfilmung dieses «Orfeo» folgte im Jahr 1978. Die Dokumentation wirft...
Die Nacht an diesem Uraufführungsabend ist eiskalt, der Himmel über Helsinki sternenklar: Der fast volle Mond und der glitzernde Abendstern in seiner Nähe indes lächeln einander nicht friedlich zu, sie scheinen eher fragend dreinzublicken ob des Wahns der Zerstörungswut, mit dem sich die Gattung Mensch da gerade an den Rand der Apokalypse katapultiert....
Er war der Mann hinter den Fernsehbildern und als solcher nie zu sehen. Und wer liest am Ende einer Opern- oder Konzertübertragung schon den gesamten Abspann, wo dann irgendwann auch der Mann für die Bildregie erwähnt wird? Sehr oft, bei größeren Ereignissen fast immer, war das der Engländer Brian Large. Mehr als 800 Konzertund Opernaufnahmen gestaltete Large als...
