Ensemblegeist
Seltsam, dieses Nachleben von «La clemenza di Tito». Es blieb über mehr als zweihundert Jahre ein permanentes Hin und Her zwischen beliebt und vergessen. Dass diese Oper ausgerechnet im Mozart-Jahr 2006 von zahlreichen Bühnen wieder lebhaft in Erinnerung gebracht wird, zeugt ebenso von einem gewissen Nachholbedarf wie die Tatsache, dass der «Titus» nahezu zeitgleich auf zwei CD-Neuproduktionen erscheint.
Von welcher anderen Mozart-Oper ließe sich das im Jubiläumsjahr behaupten? Während wir auf die Version unter René Jacobs noch ein wenig warten müssen, liegt die Produktion mit Charles Mackerras, aufgenommen kurz vor dem Edinburgh Festival im August 2005, bereits vor.
Schon die Ouvertüre hält nach drei Takten eine erste Überraschung parat. Mackerras und das Schottische Kammerorchester drosseln zwischen den Vierteln und der halben Note das Tempo. Das klingt verdächtig romantisch. Ein Streitfall, gewiss. Doch sobald die Geigen mit Pizzicati und die Holzbläser mit ersten Kantilenen beschäftigt sind, hält Mackerras das Tempo konstant. Es scheint, als wolle er jedem die Bedeutung dieses C-Dur mit seinem leuchtenden, klaren und leicht martialischen Duktus ins Ohr einschreiben.
Mackerra ...
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Zum Heulen komisch», titelte die Neue Zürcher Zeitung, als Andreas Dresens letzter Film «Sommer vorm Balkon» in den Schweizer Kinos anlief. «Abgründiges Glück» – auf diese Formel ließe sich nun seine Baseler «Don Giovanni»-Inszenierung bringen. An paradoxen Wendungen kommt offenbar nicht vorbei, wer sich auf das fiktive Personal und die Prinzipien des...
