Im Blick der Kamera
Neben ihrem dokumentarischen Wert besitzen DVD-Aufzeichnungen von Opernproduktionen eine Korrektivfunktion: Während in der Hochspannung des Premierenabends das musikalische Ergebnis oft unter den Möglichkeiten der Beteiligten bleibt, kommt die meist aus mehreren Folgeabenden zusammengeschnittene DVD dem erhofften Ideal weit näher. Missglückte Spitzentöne und verpasste Einsätze sind eliminiert, Tempi und Ensembles haben sich gewissermaßen «zurechtgeschüttelt».
Die Covent Garden-Produktion von Verdis «Don Carlo» ist dafür ein besonders ohrenfälliges Beispiel: Während die Presse bei der Premiere im Juni 2008 nicht nur den stimmlich prekären Zustand von Startenor Rolando Villazón und die Ermüdungserscheinungen seiner Elisabetta konstatierte, sondern auch Chefdirigent Antonio Pappano rüffelte, ist die DVD weit überzeugender. Natürlich bleibt der Carlos von Villazón mit seiner von emotionalem Überdruck förmlich berstenden Höhe Geschmackssache. Doch von der musikalischen wie von der darstellerischen Gestaltung her dürfte es kaum einen packenderen Carlo geben. Bei Villazón spürt man die Tragik dieser Figur, die sonst ja schnell an den Rand des Geschehens gedrängt wird: Hier geht ein Mensch ...
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Unter allen Opern Verdis nach «Rigoletto» ist «Les Vêpres siciliennes» das Aschenbrödel. Im Gegensatz zu anderen, früher ähnlich selten gespielten Werken wie «Simon Boccanegra» oder «La forza del destino» findet man die Oper aus dem Jahr 1855 heute nicht einmal gelegentlich auf den Spielplänen. Und kommt es einmal zu einer Aufführung, sind sich Fachwelt und...
Die Spielzeit startet mit Verve. In Hannover erlebt Luigi Nonos «Intolleranza 1960» einen Zeitsprung in die Gegenwart: ganz aus der Musik heraus gedacht und gestaltet. Das Schiller Theater in Berlin, ab sofort für einige Jahre Heim der Staatsoper, wurde mit einer Uraufführung (unter Leitung von Daniel Barenboim himself) und zwei zeitgenössischen Einaktern eröffnet....
So ganz weg war er nie. Selbst als noch kein Mensch den Barock-Boom vorausahnen konnte, der die Klassikszene erfassen sollte, gehörte Giovanni Battista Pergolesi zu den Komponisten, deren Werke auf Bühnen und Konzertpodien gespielt wurden. Das komische Intermezzo «La serva padrona» war in alten Opernführern lange das einzige Stück, das die Zeitspanne zwischen...
