Sehnsucht nach der Jugend
Die Gladbecker Halle Zweckel im Norden des Ruhrgebiets ist ein imposanter Bau aus den heroischen Zeiten der Schwerindustrie. Nostalgie hängt im dunstigen Luftraum. Der erhebt sich hoch über den Gleisen, die Christof Hetzer unten auf dem Hallenboden in altem Stil neu verlegen ließ. Birkenbäumchen wachsen aus dem Schotter. Eine idyllisierte Industriebrache, wie so viele Spielorte der Ruhrtriennale. Dargestellt werden soll hier freilich der Bahnhof Napoli Centrale.
Unter einem Screen, der über einem Laufsteg hängt, kommt der nachtaktive Reiseführer Esposito zum Vorschein – in Gestalt von Fausto Reinhart ein gut genährter, doch agiler Kindskopf mit kraftvoller, aber auch melancholischer Stimme. Er bringt nicht nur angereisten Nordlichtern die Sehenswürdigkeiten Neapels näher, sondern treibt nebenbei als Pulcinella in einer Theatergruppe sein neckisches Spiel.
Auf Gleis 1 rollt ein Zug ein. Eine Studentin aus Deutschland mit dem schönen Namen Gisela Geldmaier steigt aus. Sie kommt mit dem Vulkanforscher Hanspeter Schluckebier aus Oberhausen ins Land, wo die Zitronen blühen. Aber das Paar ist sich nicht mehr grün. Michael Dahmen gibt den linkischen Wissenschaftler; er hat eine markante, ...
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Die Inszenierungen von John Dew waren einst ebenso berühmt wie umstritten für ihre aktualisierenden Konzeptionen. Doch basierten sie nie auf platter Gleichsetzung, machten vielmehr Gegenwart auf Historie oder Mythos hin transparent: Sie zielten auf Vergegenwärtigung im umfassenden Wortsinne. In seiner aktuellen «Fidelio»-Produktion ist davon nur noch ein...
Für ihren Amtsantritt als Intendantin der Sächsischen Staatsoper wählte Ulrike Hessler den Hausgott Richard Strauss. Doch weder der in Dresden uraufgeführte «Rosenkavalier» noch eine «Elektra» wurde es, sondern sein vielleicht am wenigsten prominentes Bühnenwerk: «Daphne». Deren Uraufführung am 15. Oktober 1938 geriet nach Zeitzeugenberichten für den Komponisten zu...
Wenn die Dinge, das Denken und das Fühlen nur noch unterwegs sind, wenn sie keinen Halt mehr kennen, der die Bewegung unterbrechen, ihr Maß, Rhythmus und Sinn verleiht, wächst die Sehnsucht nach dem, was Ernst Bloch mit dem Wort «Heimat» meinte – die Utopie des mit sich und der Welt versöhnten Menschen. Je reißender, unüberschaubarer der Strom des beschleunigten...
