Im Bett des Beys

Berlin, Rossini: L'italiana in Algeri

Opernwelt - Logo

Restauration oder Revolution, das ist hier, gleichsam als Fallbeispiel für die Gattung, die Frage: Glaubt man Heinrich Heine, der Leben und Werk seines Zeitgenossen Gioacchino Rossini mit großem Interesse verfolgte und kommentierte, dann lässt sich Ersteres aus der Musik des genialischen Italieners heraushören; neigt man hingegen der Ansicht Antonio Amores zu, dann müsste man mit ihm und seiner Schrift «Brevi cenni critici» von 1877 exakt das Gegenteil postulieren, dass nämlich Rossinis Tönen der Geist, die Aura der Revolution innewohne.

Tatsache ist: Rossini schlägt in seinen Buffo-Opern der 1810er Jahre («L’italiana in Algeri», «Il barbiere di Siviglia» und «La gazza ladra») einen scharfzüngig-forcierten Ton an, der neu ist in der italienischen Oper. Und nicht selten reichen seine vorgeblich heiteren Späße ins Dämonische hinüber.
Die Inszenierung der Farsa «L’italiana in Algeri» durch Nigel Lowery und Amir Hosseinpour an der Staatsoper Berlin nimmt in diesem (imaginären) Gelehrtenstreit eine entschiedene Position für Amore ein: Die gesellschaftlichen Zustände, wie sie zu Beginn der Oper beschrieben sind, lösen sich nach und nach in den Wirren eines rasch, aber sorgfältig ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2005
Rubrik: panorama, Seite 44
von Jürgen Otten

Vergriffen
Weitere Beiträge
Zürich, Rimsky- Korsakow: Die Zarenbraut

Warum «Die Zarenbraut»? Weil der Komponist sie seinem Sohn gegenüber als sein gelungenstes Werk bezeichnete? Weil Rimsky-Korsakow im bunten Repertoire des Zürcher Opernhauses noch fehlt? Da gäbe es faszinierendere Alternativen!
«Die Zarenbraut» ist eine überaus herkömmliche Nummernoper, deren angeblich lyrischer Charakter sich mehr auf die Eigenpropagierung des...

Laboratorium im Regenwald

Zwei Uhr früh. Der Himmel über Manaus ist schwarz. So schwarz wie das Wasser des Rio Negro, der sich an dem 1,5-Millionen-Nest mitten im Amazonasdschungel vorbeiwälzt. Fünfunddreißig Grad. Gefühlte Temperatur: fünfundvierzig Grad. Die Luft steht. Ein klebriges Gemisch, das so viel Feuchtigkeit mit sich zu führen scheint wie der mächtige Fluss, der an den Rümpfen...

Dekonstruktion als Konstruktion

Man wüsste es ja wirklich gern, was den Zauber der Musik ausmacht, von dem alle sprechen. Fredrik Zeller auch, sagt er zumindest. Magie und Musik will er kombinieren und hat darum ein «Musiktheater» geschrieben – wie sich in letzter Zeit die neuen Werke für die Opernbühne gern nennen –, das den schönen Titel «Zaubern» trägt. Es wurde als Auftragskomposition der...