Laboratorium im Regenwald
Zwei Uhr früh. Der Himmel über Manaus ist schwarz. So schwarz wie das Wasser des Rio Negro, der sich an dem 1,5-Millionen-Nest mitten im Amazonasdschungel vorbeiwälzt. Fünfunddreißig Grad. Gefühlte Temperatur: fünfundvierzig Grad. Die Luft steht. Ein klebriges Gemisch, das so viel Feuchtigkeit mit sich zu führen scheint wie der mächtige Fluss, der an den Rümpfen der dreistöckigen Dampfer und an den schlierigen Mauern des Hafens schmatzt. Manchmal fallen Wassertropfen aus diesem Gemisch, obwohl keine Wolke zu sehen ist. Die Luft schwitzt.
Sie schwitzt wie die kunterbunte, feucht-fröhliche Gesellschaft, die nach stundenlangem Wagner-Dienst in einer schlichten Open-Air-Kneipe an der Avenida Getúlio Vargas feiert, nicht weit vom Teatro Amazonas. Plötzlich setzen vier Hornist(inn)en – gerade noch haben sie hinter der Bühne und im Graben Hagens Meuchelmord und den Untergang Walhalls mit düsteren Akkorden kommentiert — die Instrumente an den Mund und spielen schunkeliges deutsches Volksliedgut. Teutonischer Frohsinn im brasilianischen Regenwald. Paradoxer Ausklang eines paradoxen Unternehmens.
Schon die Idee, ausgerechnet im schimmeltreibenden Waschküchenklima von Manaus zwei komplette ...
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