Im Aufwind

Ost-Bashing ist mittlerweile Routine. Doch Cottbus erweist sich als Stadt mit Perspektiven – und das traditionsreiche Staatstheater als Ort starker Identifikation

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Hier hat die Jugend das Wort. Das muss jedem auffallen, der am Bahnhof aus dem Zug steigt und den Ausgang Richtung Zentrum nimmt. Auf einer bunten, großformatigen Werbetafel im Fußgängertunnel, gestaltet im Comic-Art-Stil, lässt Gregor aus der 4. Klasse wissen: «Mein Lieblingsort in Cottbus ist das Energie-Stadion. Es ist wie ein Hexenkessel, in dem es blubbert, brodelt, zischt und dampft.

» Das glaubt sofort, wer sich an den Beginn der 2000er-Jahre zurückerinnert, als der FC Energie Cottbus unter Trainer Eduard «Ede» Geyer für Furore sorgte als damals einziger Ost-Club der Bundesliga.

Doch in Cottbus wird nicht nur König Fußball gehuldigt. Weitere Lieblingsorte, dem Besucher bei seiner Ankunft zur Erkundung empfohlen, sind der Tierpark (besonders zu Fütterungszeiten, wie Sebastian aus der 6. Klasse informiert), natürlich der Spremberger Turm, früher ein Wehrturm und heute das Wahrzeichen der Stadt wegen seiner überragenden Aussicht aus 28 Metern Höhe, und schließlich der Brunnen in der Mitte des Schillerplatzes. Den hat Tristan-Hagen aus der 5. Klasse ins Herz geschlossen, denn «im Sommer spritzt das Wasser aus den Fontänen und man spürt kleine Wassertropfen auf den Armen ...

Die Welt, auch die der Oper, ist ungerecht. Während man den Großen stets, und sei es auch noch so kritisch, huldigt, führen die Kleinen meist ein Dasein im Schatten, sprich: Man bemerkt sie kaum. Doch gerade in den Darstellenden Künsten und hier insbesondere in der Oper liegt der große Gewinn in der Vielfalt. Und was das angeht, schauen die benachbarten Länder sehnsuchtsvoll nach Deutschland. Es ist dies nach wie vor das Land mit der größten Theaterdichte weltweit. Und das berühmte deutsche Stadttheater gewissermaßen das Fundament dieses Reichtums. Diesen vor Ort in Augenschein zu nehmen, ist Anlass und Impuls für die Serie «Opernwelt auf Landpartie», in der wir in loser Folge und von A bis Z die kleineren Häuser porträtieren.

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Opernwelt August 2024
Rubrik: Reportage, Seite 58
von Werner Kopfmüller

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