Im Auftrag Seiner Majestät
Wer seinen Goethe gelesen hat, wird in Guy Montavons Erfurter Inszenierung von Arrigo Boitos «Mefistofele» nicht schlecht staunen. Denn er bekommt hier einen Krimi zu sehen: Mephisto soll als Agent eines großen Geheimbundes, an dessen Spitze ein «Big Boss» namens Gott steht, dem Wissenschaftler Faust die Formel zur Erschaffung eines künstlichen Menschen abjagen. Als Lockvogel dient Margarethe, die aber versagt, weil ihr die dumme Liebe dazwischenkommt. Der Clan, zu dem auch Marthe und Wagner zählen, gibt ihr eine zweite Chance als Helena in einem Antiken-Mummenschanz.
Als sie auch da nichts ausrichtet, wird sie kurzerhand liquidiert. Faust aber, im Angesicht des Todes, zerstört die Phiole mit dem Homunkulus, Gott und Mephisto schauen in die Röhre. Diese pfiffige Neudeutung der alten Fabel hat leider den Nachteil, dass sie von Text und Musik nicht ausreichend abgesichert ist und deshalb vom Betrachter nur mithilfe des Programmheftes nachvollzogen werden kann. Abgesehen davon, dass sie den komponierten Antagonismus von Himmel und Hölle nivelliert.
In der variablen Einheitsszenerie Peter Sykoras, die von einer bühnenfüllenden reflektierenden Scheibe dominiert wird, gelingen dem ...
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