Illusionismus, nein danke
Dass das Liebesleben des nicht nur vor Liebe trunkenen Dichters Hoffmann viele Irrungen und Wirrungen kennt, das wissen wir aus Jacques Offenbachs Oper «Les Contes d’Hoffmann». Schließlich verguckt sich der Titelheld in eine aufziehbare Puppe, in eine (un)bezahlbare Kurtisane und in eine Sängerin, die sich nicht entscheiden kann zwischen ihrer Liebe zum Mann und der zur Musik. Aber in Hannover erfahren wir jetzt noch ein bisschen mehr. Dort ist die Liebe des Geigenbauers Crespel zu seiner kranken Tochter Antonia nicht nur von väterlicher Fürsorge bestimmt.
Regisseur Elmar Fulda weiß von Abhängigkeiten zu berichten, in denen Jungmädchenunterwäsche eine ungewöhnliche Rolle spielt: Im Namen der Hose?
Wenn der Vater seine Tochter von der Außenwelt abschirmen will, dann muss Klebeband die vielen Türen bändigen – und später auch als Knebel dienen. Antonia trägt nicht nur in puncto Dessous dasselbe knallige Gelb (Kostümbildnerin Alexandra Pitz liebt signalhafte Farben) wie ihre Mutter. Auch die Puppe, die ihr Hoffmann schenkt, leuchtet Gelb…
Für den Antonia-Akt hat Fulda ein ebenso inzestuöses wie ingeniöses Konzept entwickelt, über das man rätseln kann, aber nicht muss, weil die ...
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Ob dieses Stück seit seiner Uraufführung 1995 wirklich bereits fünfzig Neuinszenierungen erlebt hat, wie gesagt wird? Denkbar wäre es schon. «Powder her Face» hat alles, was eine neue Oper braucht, um in die Stadttheater zu drängen. Einen schnellen, nachvollziehbaren Plot, etwas Humor, etwas Tragödie, etwas Wahrheit, brillante Gesangspartien, wenig Irritationen und...
Der Vorwurf, dass man in eine Dichtung etwas «hineingelegt» hätte, sei ihr stärkstes Lob, ätzte Karl Kraus. Denn nur in Dramen, deren Boden knapp unter ihrem Deckel liege, ließe sich beim besten Willen nichts hineinlegen. Er schrieb dies freilich nicht über Händels «Giulio Cesare in Egitto», sondern 1906 zu Wedekinds Lulu-Stücken. Damals war Händel ja auch kein...
Oper und Wahnsinn – das sind von alters her keine allzu weit voneinander entfernten Positionen. Nur dass sich die im Belcanto formgebundene Wahnsinnsarie in der Moderne zum existenziellen musikalischen Außer-sich-Sein entwickelt hat. Aber auch das kann (und erst dadurch wird es zur Kunst) mit klaren Kriterien und hohem ästhetischem Reiz verbunden sein, wie...
