Das Unsichtbare zeigen
Er sei zu den Proben ins Theater geflogen, sagt Evgeny Titov und breitet die Arme aus. «Ich war diese Wochen durchweg glücklich. Das Ensemble und ich, wir waren wie eine Blutgruppe.» Sechs Kilo habe er abgenommen während der Zeit. Vermutlich, weil er auf der Bühne permanent auf maximalem Energielevel schwingt, selbst in jede Rolle einsteigt und das Ensemble mit einer Intensität spielen lässt, als gäbe es kein Morgen.
Vor die Wahl gestellt zwischen Schauspiel und Musiktheater, würde er sich derzeit ganz klar für Letzteres entscheiden.
Das Genre ziehe ihn magisch an, bekennt er. Nachdem er die erste Oper gemacht hat, würde er am liebsten nichts anderes mehr tun. Einzige Ausnahme: Anton Tschechow. «Ein Stück wie dessen ‹Möwe› zu inszenieren, wäre für mich ein absoluter Traum», erklärt Titov. Allerdings sei der Dramatiker gar nicht so weit vom Musiktheater entfernt, wie man vielleicht denken könnte: «Tschechow ist fast wie moderne Musik, unglaubliche Musik! Seine Stücke sind in gewissem Sinne eine Partitur, mit Pausen, bestimmten Rhythmen und Tempi. Ich glaube, dass die besten Texte von Tschechow wie auch von Shakespeare schon fast Arien sind.» Am Musiktheater reize ihn vor allem die ...
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Opernwelt September/Oktober 2021
Rubrik: Porträt, Seite 84
von Sylvia Adler
Wenn ein «Rheingold»-Mime nur sein «Nehmt euch in acht! Alberich naht» singen darf, wenn Donner und Froh gestrichen, die Nibelungen mit einem einzigen Schrei vom Band präsent und alle Szenen so drastisch gekürzt sind, dass dramaturgisch und musikalisch nur mehr teils abrupt aufeinander folgende Kernstücke übrig bleiben, dann muss wohl in den Tiefen des Rheins, den...
An der Wende zum 20. Jahrhundert entdeckte auch Italien die Tiefen des Russischen Reichs. Kurz vor dem Erfolg der «Ballets Russes» in Paris waren Dostojewskis und Tolstois Romane übersetzt worden. Nicht viel hätte gefehlt und die erste Oper mit dem Titel «Aus einem Totenhaus» wäre nicht 1928 von Janáček, sondern von Puccini oder dem neun Jahre jüngeren Giordano...
Vielstimmig
Die Kulisse ist schlichtweg atemraubend. Vor allem am Abend, wenn die Sonne am Horizont verschwindet und die Arena Sferisterio, in der schon Luciano Pavarotti, Montserrat Caballé, Plácido Domingo und Marilyn Horne auftraten, nur noch von vokalem Glanz erleuchtet wird. 100 Jahre wird das Macerata Festival in diesem Jahr. Wir sind dabei
Vielseitig
Diese...
