Grenzenlos schön

Lucile Richardot und das Ensemble «Les Cris de Paris» brillieren mit Vokalmusik von Luciano Berio

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Eine Stimme, die singt – nichts weiter. Aber was und wie sie singt, verführt in Luciano Berios abstrakt-wortlosem akustischem Theater «Sequenza III» den Hörer. Töne entstehen aus Mundgeräuschen, verschwinden, überlagern sich, die Palette der Laute reicht vom Stöhnen und Keuchen, Lallen und Schnalzen, Flüstern und Schreien, Lachen und Weinen bis zum Sprechen und Singen. Berio hat diese Anti-Vokalise, die in der Befreiung der Stimme alle nur denkbaren phonetischen Artikulationsarten durchspielt, einst der exzentrischen Cathy Berberian auf den Leib komponiert.

Jetzt singt sie die phänomenale französische Mezzosopranistin Lucile Richardot – ganz anders, aber nicht weniger faszinierend und atemberaubend mit ihrem fast transsexuellen Timbre und ihrer vibratoarmen, an der barocken Aufführungspraxis geschulten Stimmführung. Was bei Berberian einen Hauch von Camp besaß, wird bei Richardot zum Grenzgang zwischen alter und neuer Musik, Monteverdi und Elektronik, Poesie und Banalität. Noch einen Schritt weiter geht sie, ganz im Sinne des Komponisten, in «O King», Berios Hommage an den 1968 ermordeten schwarzen US-Bürgerrechtler Martin Luther King. Hier wird die Stimme, die sich völlig ins ...

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Opernwelt September/Oktober 2021
Rubrik: CD des Monats, Seite 53
von Uwe Schweikert

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