«Ich messe mich an mir selbst»
Frau Hannigan, wie ist das, wenn Komponisten zu einem sagen: «Ich habe diese Partie für dich geschrieben»?
Meistens heißt es eher: «Darf ich etwas für dich schreiben?» Oft frage ich auch selbst, oder Ideen entstehen im Gespräch. Ich bin sehr vorsichtig, was ich zusage und wann. Denn ich fühle mich verantwortlich, das Werk auch wirklich in die Welt zu bringen; es sollten keine Eintagsfliegen sein. Nehmen wir Hans Abrahamsens «Let Me Tell You»: Ich hatte sieben Orchester in die Spur gesetzt, ehe er auch nur eine Note geschrieben hatte.
Seitdem sind weitere aufgesprungen. Doch dafür muss ich mich mit einem Werk identifizieren können. George Benjamins «Written on Skin» zum Beispiel empfinde ich als echtes Geschenk, weil die Rolle der Agnès mit einer geradezu zärtlichen Aufmerksamkeit für meine Stimme komponiert ist. Das gilt auch für Abrahamsens Lieder-Zyklus. In beiden Partien verschmelzen in der Musik Stärke und Zerbrechlichkeit auf eine Weise, die mich sehr berührt.
Wie entwickelt sich diese zärtliche Aufmerksamkeit für die Stimme?
Das variiert von Fall zu Fall. Idealerweise stehe ich in ständigem Austausch mit dem Komponisten. Mit manchen gibt es anfangs viel ...
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Opernwelt Januar 2017
Rubrik: Interview, Seite 32
von Wiebke Roloff
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Beispie...
Draußen Regen. Novemberwind. Ein kalter Abend nach einem trüben Tag, grau in grau. Drinnen auf der Bühne mediterranes Chiaroscuro, hartes Dunkel durchkreuzt von flirrendem Licht, weiße Wände wie mit schwarzer Tinte bespritzt – Kontraste, scharf wie die Rapiere der Fechter, die sich mit Aggression aufpumpen gegen den nachbarlichen Feind. Aus solcher Enge quasi...
Wanderer, kommst Du nach Trier und wendest Dich, nachdem Du die Portra Nigra passiert (und hoffentlich einen flüchtigen Gedanken an Karl Marx und den guten Ambrosius von Mailand verloren) hast, in Richtung Universität, wirst Du mit Weisheit belohnt. «In der Stadt Trier», so steht es auf dem Siegel der ehrwürdigen Bildungsstätte eingemeißelt, «führt Gott die...
