Ich ist ein Anderer
Es hat seine Richtigkeit, dass das Meer in Deborah Warners «Peter Grimes»-Inszenierung, die nach Madrid 2021 und London 2022 jetzt im Pariser Palais Garnier Premiere hatte, unsichtbar bleibt. Allenfalls sind Gischt und Wellen hinter der vom Bühnenvorderrand rückwärts ansteigenden grobgrauen Rampe zu erahnen, als ob es unterhalb dieser Klippe brodelte. In den Dialogen wie in der Musik sind die Urgewalten ohnehin dauernd präsent.
Das Meer ist den einen, der (bigotten) Gesellschaft des Dorfes, Inbegriff des Feindlichen, Bedrohlichen; dem anderen, Peter Grimes, ist es Heimat, Sehnsuchtsort – auch deshalb muss der Fischer der Menge unbegreiflich bleiben. Er ist der Einzige, der es lesen kann. Grimes weiß früher als sie, wann es reiche Beute verheißt, er sieht lange vorher in der «kochenden See» den Fischschwarm am Horizont, wie er an einer Stelle ausruft.
Damit wird er zum Außenseiter, zum Fremden. Die Unvereinbarkeit von Individuum und Gesellschaft ist Grundthema dieser Oper – und Deborah Warner biegt es bei ihrem Pariser Operndebüt nicht in eine andere Richtung. Oft rückte in der Rezeption nach Brittens Tod dieser Konflikt in den Hintergrund, als ginge es um das Drama eines pädophil ...
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Opernwelt März 2023
Rubrik: Im Focus, Seite 20
von Götz Thieme
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