Ein bisschen Frieden
Die Lateiner erinnern sich: Dulce et decorum est pro patria mori. Ob es Horaz tatsächlich darum zu tun war, den Tod fürs Vaterland zu nobilitieren, sei dahingestellt. Einen propagandistischen Anstrich hat die Sentenz allemal. Es geht aber noch martialischer: «Vaincre ou mourir!», «Siegen oder Sterben!» schmettern die tapferen Griechen in Gioacchino Rossinis «Le Siège de Corinth». Verhandlungsbereitschaft ist da nicht angezeigt. Die Regie von Markus Dietz gibt sich, von diesem Schlachtruf inspiriert, in der Wahl ihrer Darstellungsmittel ebenfalls wenig zimperlich.
Gleich zu Beginn regnet es Soldatenmäntel für die kampfbereiten griechischen Patrioten, Trockeneisnebel flutet die Szenerie, später ragen brennende Ölfässer aus einem Trümmerfeld; am neonlichtleuchtenden Kreuz hängt ein gelynchter Grieche. Es herrscht Krieg, anno 1458, als die Osmanen unter Mahomet II nach dem Fall Konstantinopels ihren Eroberungszug aufs griechische Festland fortsetzen. Kriegerisch ist auch die Entstehungszeit von Rossinis 1826 in Paris aus der Taufe gehobener tragédie-lyrique; es tobt der von der europäischen Öffentlichkeit mit leidenschaftlicher Anteilnahme verfolgte griechische Freiheitskampf. Ein ...
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Opernwelt März 2023
Rubrik: Panorama, Seite 53
von Werner Kopfmüller
Holger Falk vermeidet die Hauptstraßen des Liedgesangs. Lieber schlägt er sich ins Unterholz der Moderne, wo er Vergessene und Übersehene entdeckt wie Josef Matthias Hauer oder Hanns Eisler. Vor allem aber ist er ein Partisan, ein Botschafter der mélodie, des französischen Lieds, das hierzulande noch immer ein Außenseiterdasein führt. Was nur wenigen Ausländern...
Roms Glaube ohne Worte!» wollte Friedrich Nietzsche in Richard Wagners «Parsifal» gehört haben, nachdem er vom Verehrer zum Intimfeind des Bayreuther Meisters mutiert war und auf dessen kunstreligiöse Anwandlungen nebst Keuschheitsethik nur mehr mit Bissigkeit antworten konnte. Um die böse Sentenz des Philosophen bloß nicht zu bestätigen, tilgt Michael Thalheimer...
In Marco Štormans Stuttgarter Inszenierung von Wagners «Götterdämmerung» ist die Apokalypse bereits vorüber, wenn sich der Vorhang hebt. Die verdorrte, von Wotan selbst abgeholzte Weltesche schwebt wie ein Menetekel als Strandgut vom Schnürboden herab. Wenn sie am Ende wiederkehrt, begräbt sie den im Rheinrinnsal gierig nach dem Ring fischenden Hagen und erschlägt...
