«Ich bin kein Opernfan»
Herr Kwiecien, niemand hat Don Giovanni in den letzten Jahren an so vielen Opernhäusern gesungen wie Sie. Wissen Sie, wie oft?
Annähernd hundertmal, in rund zwanzig verschiedenen Produktionen. Will sagen: Der Don Giovanni ist nichts Neues mehr für mich.
Das klingt nach Routine.
Nun ja, wenn ich diese Partie in Paris, Bilbao oder München singe, mache ich zunächst mal nur meinen Job, den Don Giovanni-Job. Den Unterschied bilden die verschiedenen Inszenierungen.
Ich liebe es, wenn eine «Don Giovanni»-Produktion über die Maßen logisch ist und wenn da etwas Neues ist, das ich lernen kann. Das bedeutet allerdings keineswegs, dass sie modern sein muss, das geht auch in einer traditionellen Arbeit. Aber es muss gut erklärt sein. Dann ist es fantastisch. Die schlechtesten Produktionen sind immer die, die mir nichts zurückgeben. Wenn ich nur wiederholen muss, was ich schon unzählige Male zuvor getan habe: Bewegungen, Gesten, Gänge.
Wie lange werden Sie noch Frauen verführen und deren Väter töten?
Ich denke, sechs, sieben Jahre werde ich diese Partie noch singen. Dann ist es genug. Das Schöne an unserer Tätigkeit ist ja gerade, dass wir uns vorwärts bewegen und ständig verändern dürfen auf der ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Januar 2012
Rubrik: Interview, Seite 30
von Jürgen Otten
Gerade noch hatte Deborah Warner für ihre radikal-moderne Lesart von Richard Brinsley Sheridans 1777 uraufgeführter Sittenkomödie «The School for Scandal» («Die Lästerschule») von der Londoner Kritik Prügel bezogen. Auch als Opernregisseurin hat Warner sich einen Ruf als zeitgenössische Deuterin bekannter Stücke erworben – mit ihrem «Don Giovanni» und «Fidelio» in...
Nicht Amiens – Paris – Le Havre – Amerika. In Freiburg begibt Puccinis Oper «Manon Lescaut» sich in Innere der Titelheldin. Ihre Gestalter(innen) sprechen denn auch von inneren Ortswechseln, von ihren «Seelenzuständen». Und solange Yona Kims Inszenierung diese fest im Blick behält, hat auch Manons von der Liebe kaum gebremste Jagd nach Luxus, haben auch ihre Reue...
Es hätte ein Revoluzzer-«Ring» und eine europäische Attraktion in Kooperation mit dem Bergen-Festival werden sollen. Vier Regisseure, Ende 30, waren avisiert: Stefan Herheim («Rheingold»), der lettische Theater-Mann Viesturs Kairiss («Walküre»), Litauens Castorf Oskaras Korsunovas («Siegfried») und Lettlands Regie-Wunder Alvis Hermanis («Götterdämmerung»). Doch...
