Der Grenzgänger

Armin Jordan liebt den Zweifel und dirigiert, laut eigener Aussage, «eigentlich wie ein Amateur». Dabei ist er der ­faszinierendste Schweizer Dirigent, den es zur Zeit gibt. Ein Gespräch über Traditionen des Klangs, die Liebe zur Sprache und Klischees des Impressionismus

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Das Hotel Tiffany in Genf, ein eher unscheinbares, aber gemütliches Hotel, ist längst sein zweites Zuhause. Hier, zehn Gehminuten vom Grand Théâtre, der Genfer Oper, entfernt, habe ich mich mit Armin Jordan, dem faszinierendsten Schweizer Dirigenten, getroffen. Am Abend dirigiert er Wagners «Tristan». Die Aufführung wird zu einem denkwürdigen Erlebnis. Die Spannung, die Jordan in den ersten Takten des Vorspiels aufbaut, hält bis zum letzten Verklingen an. Die von Wagner erstmals konsequent gesuchte Klangverschmelzung gelingt in berückender Weise.

Jordan hebt die Farbwechsel oft pointiert voneinander ab und lässt sie andererseits oft unmerklich ineinander übergleiten. Das Orchester klingt immer hell und farblich nuanciert.

Selbstironie als Lebenselixier
 
In dem vierundsiebzigjährigen Klangkünstler steckt immer noch viel vom jugend­lichen Theaterkapellmeister: uneingeschränkter Dienst an der Sache, oft gepaart mit Raubbau am eigenen Körper. Jordan raucht während des Gesprächs ununterbrochen. Die Zigarette habe ihn wäh­rend des einsamen Hotellebens begleitet, sagt er. Die schlimmstmögliche Situa­tion sei die Rückkehr ins Hotel morgens um zwei Uhr – ohne Feuerzeug! Auch das ist Armin ...

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Opernwelt April 2006
Rubrik: Porträt, Seite 56
von Hanspeter Renggli

Vergriffen
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