Der Grenzgänger
Das Hotel Tiffany in Genf, ein eher unscheinbares, aber gemütliches Hotel, ist längst sein zweites Zuhause. Hier, zehn Gehminuten vom Grand Théâtre, der Genfer Oper, entfernt, habe ich mich mit Armin Jordan, dem faszinierendsten Schweizer Dirigenten, getroffen. Am Abend dirigiert er Wagners «Tristan». Die Aufführung wird zu einem denkwürdigen Erlebnis. Die Spannung, die Jordan in den ersten Takten des Vorspiels aufbaut, hält bis zum letzten Verklingen an. Die von Wagner erstmals konsequent gesuchte Klangverschmelzung gelingt in berückender Weise.
Jordan hebt die Farbwechsel oft pointiert voneinander ab und lässt sie andererseits oft unmerklich ineinander übergleiten. Das Orchester klingt immer hell und farblich nuanciert.
Selbstironie als Lebenselixier
In dem vierundsiebzigjährigen Klangkünstler steckt immer noch viel vom jugendlichen Theaterkapellmeister: uneingeschränkter Dienst an der Sache, oft gepaart mit Raubbau am eigenen Körper. Jordan raucht während des Gesprächs ununterbrochen. Die Zigarette habe ihn während des einsamen Hotellebens begleitet, sagt er. Die schlimmstmögliche Situation sei die Rückkehr ins Hotel morgens um zwei Uhr – ohne Feuerzeug! Auch das ist Armin ...
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