Hübsch historisierend
Es kommt nicht oft vor, dass ein Regisseur in Glyndebourne zwei Produktionen gleichzeitig laufen hat. Noch dazu Opern mit Sprechtexten: Für das Singspielformat hat sich das englische Publikum nie recht erwärmen können, schon gar nicht im Original. Bei der «Entführung aus dem Serail» trauen sich die meisten ja nicht mal, den deutschen Titel zu benutzen – zu riskant, die Aussprache! Aber David McVicar ist hier etwas so Ansehnliches, Kluges gelungen, dass er auch jene überzeugt haben dürfte, die eigentlich bloß da waren, weil’s für seine «Carmen» keine Karten mehr gab.
Das Osmanische Reich zeigt der Regisseur uns nicht als die nervenaufreibende Chaosgesellschaft, über die Elizabeth Craven (die spätere Markgräfin von Brandenburg-Ansbach und Bayreuth) sieben Jahre nach der Uraufführung von Mozarts ostwestlicher Rettungsfantasie in ihren Memoiren herzog. Sondern in einer freundlichen Version à la Mary Wortley Montagu, die das Land im frühen 18. Jahrhundert beschrieb: Auf Vicki Mortimers historisierender Bühne flirten Elemente aus Orient und Okzident ganz harmonisch miteinander; im Hintergrund glitzerndes Wasser, ziselierte Bogengänge, liebevoll gepflegte Gärten: Balsam für die Augen. ...
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Opernwelt August 2015
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Anna Picard
Um das Essener Aalto-Theater war es ruhig geworden in letzter Zeit. Seit Hein Mulders nach der langen und glanzvollen Ära von Stefan Soltesz mit der Spielzeit 2013/14 die Intendanz des Hauses (und die der benachbarten Philharmonie) übernahm, gab es überwiegend risikoarme Koproduktionen zu sehen, und das wenige Hausgemachte wollte sich nicht recht zu einem neuen...
Man ist überwältigt. Von der Fülle, von der Akribie, von der Schönheit, von der Fantasie, aber eben auch von der Wandlungsfähigkeit. Das Universum des Bühnenmenschen Jürgen Rose umfasst nicht nur das Bild einer Szene vom ersten Nagel bis zur letzten Dessous-Naht, sondern längst auch die Regie, das Dirigieren von Menschen im Raum, das Erfinden von Konzepten. Es ist...
Um den Liedgesang braucht einem nicht bange zu sein, wenn, gleichsam aus dem diskografischen Nichts, zwei junge Sänger, der Schweizer Tenor Mauro Peter und der ladinische Bariton Andrè Schuen, nicht nur ein Versprechen auf die Zukunft abgeben, sondern es mit ihren Debüt-CDs gleich erfüllen. Dabei haben sie es sich mit der Wahl ihrer Programme nicht leicht gemacht...
