Hübsch historisierend
Es kommt nicht oft vor, dass ein Regisseur in Glyndebourne zwei Produktionen gleichzeitig laufen hat. Noch dazu Opern mit Sprechtexten: Für das Singspielformat hat sich das englische Publikum nie recht erwärmen können, schon gar nicht im Original. Bei der «Entführung aus dem Serail» trauen sich die meisten ja nicht mal, den deutschen Titel zu benutzen – zu riskant, die Aussprache! Aber David McVicar ist hier etwas so Ansehnliches, Kluges gelungen, dass er auch jene überzeugt haben dürfte, die eigentlich bloß da waren, weil’s für seine «Carmen» keine Karten mehr gab.
Das Osmanische Reich zeigt der Regisseur uns nicht als die nervenaufreibende Chaosgesellschaft, über die Elizabeth Craven (die spätere Markgräfin von Brandenburg-Ansbach und Bayreuth) sieben Jahre nach der Uraufführung von Mozarts ostwestlicher Rettungsfantasie in ihren Memoiren herzog. Sondern in einer freundlichen Version à la Mary Wortley Montagu, die das Land im frühen 18. Jahrhundert beschrieb: Auf Vicki Mortimers historisierender Bühne flirten Elemente aus Orient und Okzident ganz harmonisch miteinander; im Hintergrund glitzerndes Wasser, ziselierte Bogengänge, liebevoll gepflegte Gärten: Balsam für die Augen. ...
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Opernwelt August 2015
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Anna Picard
Opera Holland Park ist unter anderem deshalb so beliebt, weil hier al fresco-Freuden ohne Roben, endlose Dinner-Pausen und das ganze Brimborium zu haben sind. Das Festival hat sich außerdem mit Verismo-Raritäten wie Wolf-Ferraris «I gioelli della Madonna», Mascagnis «L’amico Fritz» und Montemezzis «L’amore dei tre» einen Namen gemacht. Schon letztes Jahr gab es...
«Nie sollst du mich befragen, noch Wissens Sorge tragen, woher ich kam der Fahrt, noch wie mein Nam’ und Art.» Ende August tänzeln Hans Neuenfels’ putzig-unheimliche «Lohengrin»-Ratten ein letztes Mal über die Bayreuther Festspielhausbühne. Ein letztes Mal erleben wir dann, wie der Schwanenritter, der einzig Unverstellte in Reinhard von der Thannens aseptischem...
Herr Kupfer, wann waren Sie eigentlich zuletzt in Ihrem ehemaligen Stammhaus, der Komischen Oper?
Das ist noch nicht so lange her. Ich wollte wissen, wie Barrie Kosky die «West Side Story» inszeniert hat. Ich hätte das Stück ja selbst gern auf die Bühne gebracht, in Dresden. Daraus wurde aber leider nichts, weil wir für unsere Spielfassung die Rechte nicht bekamen....
