Märchenhaft, unter Wert
Die 1984 gegründete Berliner Lautten Compagney hat sich international besonders mit Opern von Georg Friedrich Händel einen Namen gemacht. Bei einer Produktion des frühen Londoner Erfolgsstücks «Rinaldo» (1711) arbeitete sie zum ersten Mal mit dem italienischen Marionettentheater Carlo Colli & Figli zusammen, das auf eine Tradition von 200 Jahren zurückblicken kann und lange Zeit als «Puppen-Scala» galt, weil die dort gespielten Werke hier glanzvolle Reprisen für ein breiteres Publikum erlebten.
Die Inszenierung Eugenio Monti Collas beginnt im Stil des alten Hoftheaters mit vielen starren Tableaus und armereckenden Protagonisten. Nur dem dunklen Widersacherpaar Argante und Armida ist eine differenziertere Körpersprache zugedacht. Doch mit Fortschreiten der Handlung erliegt der Betrachter dem Zauber des Puppenspiels, bewundert zunächst die kunstvoll gearbeiteten Figuren mit ihren ausdrucksvollen Physiognomien, weidet sich an der märchenhaften Pracht der Kostüme und der Szenerien, ist fasziniert von den zahlreichen offenen Verwandlungen, lässt sich mitreißen von den vielen Aufzügen und Massenszenen.
Wolfgang Katschner sorgt im Graben mit der Lautten Compagney für das nötige ...
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Opernwelt August 2015
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 24
von Ekkehard pluta
Von den drei überlieferten Opern Claudio Monteverdis hatte «Il ritorno d’Ulisse in patria» die geringste Breitenwirkung. Homers Dramenstoff um die späte Heimkehr des Odysseus in sein Königreich Ithaka, wo nur noch die treue Gattin Penelope und der Sohn Telemach an seine Wiederkunft glauben, ist bis heute aktuell. Man denke etwa an die Soldaten, die zehn Jahre nach...
Man ist überwältigt. Von der Fülle, von der Akribie, von der Schönheit, von der Fantasie, aber eben auch von der Wandlungsfähigkeit. Das Universum des Bühnenmenschen Jürgen Rose umfasst nicht nur das Bild einer Szene vom ersten Nagel bis zur letzten Dessous-Naht, sondern längst auch die Regie, das Dirigieren von Menschen im Raum, das Erfinden von Konzepten. Es ist...
Vorbei, ihr herrlichen Fluxus-Tage! Als Charlotte Moorman noch nackt ihr rosarotes Eis-Cello in vielen Stunden zergeigte. Als Joseph Beuys in ranziger Butter schwelgte und Yoko Ono im Rhythmus eigener Kompositionen mit dem Kopf auf den Bühnenboden schlug: Das war einmal. Zurückgeblieben ist die Sehnsucht nach Happenings, die ebenso provokativ wie witzig, politisch...
