Horror vacui
Esultate! L’orgoglio musulmano sepolto è in mar, nostro del ciel è gloria! Das hätte man gegenwärtig auch benediktisch zugespitzt, sozusagen auf des Krummsäbels Schneide, inszenieren können. Doch Christine Mielitz lässt den «muselmanischen Stolz» szenisch unkommentiert, nutzt vielmehr Unwetter und Sturm pantomimisch zur (nur bei Shakespeare geschilderten) Darstellung des Werdens der Liebe Otellos und Desdemonas.
«Mit der Unverhofftheit eines Blitzes, eines Gewitters» (Mielitz) trifft diese Liebe das alte Venedig, die Metropole, die ihren Reichtum, ihre Kultur gegen alle Eindringlinge von außen in zahllosen Kriegen zu wahren sucht.
In Mielitz’ Wiener Inszenierung des «Otello» geht es zudem weniger um das Außenseitertum des Titelhelden als – wie schon in ihrer «Parsifal»-Inszenierung – um die Rolle der Frau beim Versuch des Aufbrechens männlicher Helden- und Kampfeswelten. Unbeirrbar bestehe Desdemona auf Liebe, Gerechtigkeit und Frieden gegen jedermann und werde so zur größten Herausforderung nicht nur in Otellos Leben, sondern in der männlichen Welt der Waffen und Kämpfe insgesamt.
Dies vorzuführen, hat Christian Floeren eine Art moderne Shakespeare-Bühne gebaut, mit einem ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Während der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gehörte es am Teatro Colón zum guten Ton, dass moderne Opern aus Italien oder Frankreich binnen eines Jahres nach ihrer Uraufführung in Europa auf die Bühne kamen. Neue Werke deutscher Herkunft wurden in Buenos Aires allerdings nur selten aufgeführt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wandelte sich das Bild, der Kurs des...
Max von Schillings’ Ehe- und Eifersuchts-Thriller «Mona Lisa» gehörte zu jenen Stücken, die Christian Thielemann an der Deutschen Oper machen wollte – und das (so seine Auskunft) aus Furcht vor leerem Haus dann doch nicht kam. Die mehr als zweitausend Vorstellungen der Oper seit 1915 lassen sich heute vor allem unter der Annahme nachvollziehen, dass Spitzensänger...
Detlev Glanerts neue Oper «Caligula» will nicht nur ins Innerste treffen – sie kommt auch daher. Zumindest war das der aufregende Plan des Komponisten: dass alle Klänge in Kopf und Körper eines verzweifelten, halb wahnsinnigen Menschen entstehen. Dass sie ihn innerlich balsamieren wie ein letztes Erinnern an Schönheit oder ihm unerträgliche Schmerzen bereiten –...
