Frühlingserwachen
Im Osten Schären, die sich ins Meer neigen. Im Westen Steilklippen, in denen Vögel brüten. Dazwischen Grasdächer und knallbunte Holzhäuser. Die Faröer im Nordatlantik, auf halbem Weg zwischen Norwegen und Island, haben alle dieselbe topografische Signatur. Achtzehn Inseln sind es, baumlos, geprägt von bizarren Formationen aus Vulkangestein. Siebzehn davon sind bewohnt. Insgesamt fünfzigtausend Menschen leben dort. Sie sprechen Färingisch, was am ehesten dem Norwegischen verwandt ist. Sie haben ein eigenes Parlament und eine eigene Fahne.
Offiziell gehören sie als Selbstverwaltungsgebiet zu Dänemark, aber sie wissen natürlich, dass sie eine eigene, andere Welt sind, da oben. Im Sommer klettert das Thermometer selten über zwölf Grad. Im Winter kann es leicht vorkommen, dass Flugzeuge nicht landen können, weil der Nebel zu dicht in den Fjorden hängt. Berüchtigt sind die Inseln nicht nur für ihr Wetter, sondern auch für ihre Walfang-Politik. Jetzt will man den Tourismus ankurbeln und wirbt mit Dingen, nach denen gestresste Städter aus dem Süden lechzen: Luft, Licht, Einsamkeit. Bislang ist die Wirtschaft auf den Faröern zu mehr als neunzig Prozent vom Meer abhängig und damit schwer ...
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«Se prohibe fumar» stand im Juni 2005 rot und streng auf grauer Wand bei Andrea Breth draußen in der Helmut-List-Halle, anlässlich von Nikolaus Harnoncourts Styriarte. Und der Abend verlief auch so. Rauchen verboten, Liebe dito, Fantasie, Freiheit, alles. Bloß die Utopie blieb den Figuren damals im Bunkerraum, der den Geruch nach abgestandenem Schweiß zum Bild...
Venedigs Musikgeschichte betört durch ihre Fülle und ihre Kontraste. Die Mehrchörigkeit in San Marco ist ein Anfang. Die barocke Oper ein anderes Kapitel. Wagner und Verdi verband viel mit der Serenissma. Später ging es Igor Strawinsky und Luigi Nono nicht anders. In den letzten Wochen lockte das Teatro Malibran mit Premieren der Opernpioniere Cavalli und Galuppi....
Detlev Glanerts neue Oper «Caligula» will nicht nur ins Innerste treffen – sie kommt auch daher. Zumindest war das der aufregende Plan des Komponisten: dass alle Klänge in Kopf und Körper eines verzweifelten, halb wahnsinnigen Menschen entstehen. Dass sie ihn innerlich balsamieren wie ein letztes Erinnern an Schönheit oder ihm unerträgliche Schmerzen bereiten –...
