Gazellen im Koloraturgebirge
Zu den Stillen im Lande zählt sie ganz gewiss nicht. Marina Viotti liebt die Selbstinszenierung, den Rollentausch, das Wandelbare. Es genügt, um das zu wissen, ein Blick in ihre wechselvolle Vita. Nach einem Flötenstudium wandte sich Viotti den Gattungen Jazz, Gospel und Heavy Metal zu, absolvierte dann ein Philosophie- und Literaturstudium, bevor sie sich dazu entschloss, Sängerin zu werden und den Weg zur Bühne einzuschlagen. Wie wohl sie sich dort fühlt, konnte man zuletzt in Zürich, bei der «Fledermaus», sehen.
Viotti ist das, was man gemeinhin und liebevoll-salopp als «Rampensau» bezeichnet; die aufwändig gestalteten Cover ihrer Solo-CDs verdeutlichen diesen Hang zur Exaltation.
So ist es auch beim neuen Album «Prime Donne» mit Werken von Antonio Vivaldi, Nicola Porpora und dem weithin unbekannten Giovanni Porta. Viotti erscheint dort, passend zum Programm, als Barock-Diva, mit hochgetürmter Puderperücke, rosigen Wangen, roten Lippen und deutlichem Lidstrich. Sie kann es sich erlauben. Denn der Inhalt geht einher mit der Form. Vom Orchestre de l’Opéra Royal unter der Leitung von Andrés Gabetta straff und mit schlanker Tongebung begleitet, zeigt die Mezzosopranistin schon im ...
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Opernwelt Mai 2026
Rubrik: Medien, Seite 45
von Jan Verheyen
Die Schwierigkeiten, Beethovens «Fidelio» zu inszenieren, werden von der Güte der Musik und der Berühmtheit des Urhebers regelmäßig weggeschwemmt. Die Schwierigkeiten liegen darin, dass auf der Bühne viel weniger passiert, als uns die Musik verspricht. Und wenn etwas passiert, passiert eigentlich immer noch so gut wie nichts. Schließlich geht alles gut aus – so...
Ganz schnell kann das gehen mit diesem Begriff. Anständig bis hochachtbar gesungen, ein Sopran, ein Tenor – ecco: Das nächste «Traumpaar» ist geboren. So gerade in den Augen und Ohren mancher nach der «Rigoletto»-Premiere an der Bayerischen Staatsoper. Dabei haben die beiden wenig miteinander gemeinsam (was ja wieder stückimmanent wäre). Sie: mit anfangs...
Lauter schwierige Patienten», hieß mal eine Gesprächsreihe im Fernsehen des SWR, in der Marcel Reich-Ranicki gemeinsam mit Peter Voß schwer einsortierbare Autoren behandelte. Erich Kästner gehörte dazu, Inge -borg Bachmann, Golo Mann. Wäre es in dieser Sendereihe um Komponisten gegangen, hätte César Franck wohl einen festen Platz gehabt: ein Mann, der nahezu...
