Hommage an das maritime Lübeck
Es hätte so schön gepasst, sich als Rahmen für Hanno Buddenbrooks «Lohengrin»-Erlebnis das Jugendstil-Haus an der Beckergrube vorzustellen. Aber das Theater, von dem Thomas Mann in seinem berühmten Familienroman schreibt und in dem er selbst, wie er später in einem Aufsatz berichtet, in seiner Kindheit und Jugend in Lübeck eine Reihe von «zaubervollen Abenden» verbracht hat, war der 1858 an gleicher Stelle errichtete Vorgängerbau, das sogenannte «Casinotheater». Als am 1.
Oktober 1908 nach nur etwa fünfzehnmonatiger Bauzeit das neue Stadttheater, das damals als die größte und technisch modernste Bühne Deutschlands galt, eingeweiht wurde, war der Dichter längst nach München übersiedelt.
Aber das Lübecker Stadttheater war zu seiner Entstehungszeit nicht nur, was Größe und technische Ausrüstung angeht, ein Haus der Superlative. Auch in die Ästhetik der Architektur hatte man ganz bewusst investiert, indem man dem Entwurf eines der bedeutenden Baumeister der damaligen Moderne den Zuschlag gegeben hatte, dem in Dresden lebenden und lehrenden Professor Martin Dülfer. Er galt nicht nur als einer der prägenden Vertreter der Münchener Jugendstilarchitektur des Jahrhundertbeginns, sondern ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Eine Repertoireaufführung von Massenets «Werther» an der Bayerischen Staatsoper. Kaum freie Plätze, nach «pourquoi me réveiller» gibt es unvorgesehenen Zwischenapplaus für Piotr Beczala, am Ende lang anhaltenden Jubel. Dieser Werther fasziniert durch die Spannung zwischen konzentrierter Energie und scheuem Zartgefühl, zwischen Empfindsamkeit und auflodernder...
Als Benjamin Brittens «Billy Budd» 1951 zum ersten Mal über die Bühne ging, wurde das Stück als eine bedrückende Studie über die zerstörerische Wirkung von Gewalt empfunden. Heute, da Machttypen wie der teuflische Schiffsprofos John Claggart nach wie vor unermessliches Leid anrichten, während die Welt zuschaut, ist der Stoff der Oper unverändert aktuell. Und diese...
Geiz ist doch geil! Bei seiner Inszenierung von François Boieldieus «Die weiße Dame» spart Axel Köhler ein Drittel der schottischen Schauerkomödie – und tut damit das einzig Richtige. Um die 1825 uraufgeführte opéra comique für das Publikum von 2008 zu retten, muss man rigoros in Libretto und Partitur eingreifen. Also ersetzt der als Countertenor wie Regisseur...
