Hohe Kunst in der guten Stube
Die schindelgedeckten Gasthäuser am Dorfplatz heißen «Krone» und grammatikalisch etwas kühn «Hirschen», das Altarbild in der Dorfkirche stammt von Angelika Kauffmann, die in Schwarzenberg einige Jugendjahre verbrachte. Nach der Malerin ist auch der Saal benannt, in dem die Schubertiade allsommerlich zwei Spielperioden veranstaltet. Umgebaut zuletzt 2001, mit Tannen- und Buchenholz der Region, zeigt er die Architektur, für die der Bregenzerwald überregional bekannt ist: eine aufs Wesentliche reduzierte, aber warme Moderne, die sich traditionsbewusst mit der Landschaft verbindet.
Der Blick durch die Fenster fällt auf satte Weiden und bewaldete Berge, die Akustik ist ebenso phänomenal wie die Aussicht.
An einem schönen Nachmittag im August lässt Andrè Schuen nicht viel Raum, Blicke schweifen zu lassen. Zu konsequent führt sein Liedrecital zum Themenfeld «Tod», genauer: zum Tod junger Menschen, ein zentrales Sujet für Franz Schubert. Über «Der Jüngling und der Tod» und den «Erlkönig» spinnen der Bariton und sein Pianist Daniel Heide den Faden subtil, aber unerbittlich zu Mahlers «Kindertotenliedern». Weiter zu Liedern Korngolds, der für sein jugendliches Komponistenalter ebenfalls ...
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Opernwelt 11 2022
Rubrik: Magazin, Seite 72
von Michael Stallknecht
Der «Bajazzo» war für Ruggero Leoncavallo Segen und Fluch zugleich: 1892 gelang ihm mit diesem Einakter ein Welterfolg, der ihn bis heute unsterblich macht. Doch stand dieser Glücksfall allen weiteren kreativen Bemühungen des vielseitigen Komponisten im Weg. Seine ein Jahr nach Puccinis gleichnamiger Oper herausgekommene «Bohème» konnte sich ebenso wenig...
Man kämpft sich, vom Bahnhof Friedrichstraße kommend, durch die Masse von Demonstrierenden, die Freiheit und Selbstentfaltung der Frauen im Iran fordern, und denkt sich: «In der Komischen Oper gibt es gleich Nonos ‹Intolleranza›. Da geht es auch um das, was Menschen anderen Menschen antun können!» Und man ertappt sich dabei, die eigene Lebenswelt im zufälligen here...
Wenn die Schmuggler zu Beginn des dritten Akts auf einer wackligen Hängebrücke, umgeben von grobflächig bemalten Gebirgskulissen, so tun, als könnten sie ihre heiße Ware nur mit größter Mühe über die Berge hieven, denkt man unweigerlich an die Stummfilmästhetik von vor hundert Jahren. Mithin an jene Filmkomödien, in denen ein Buster Keaton todesmutig in...
