Hohe Kunst
Der Coup findet seine Fortsetzung: Vor 13 Monaten hatte das «Rheingold» in der Regie von Ewelina Marciniak an den Bühnen Bern Premiere. Damit begann der erste «Ring» überhaupt in Bern, damit begann auch die erste Musiktheaterarbeit der polnischen Regisseurin, die sich – erst in ihrer Heimat und dann auch in Deutschland – zu Recht den Ruf erworben hat, keinerlei Angst vor großen Stoffen zu haben.
Sie inszenierte Jelinek und Houellebecq, und sie ist sehr klug, ja fast zu klug: Bei ihrem Versuch, den «Iphigenia»-Mythos im Sommer 2022 bei den Salzburger Festspielen mit Wucht in die Gegenwart zu schieben, verzettelte Marciniak sich. Aber dennoch zeigte sich auch dort: Sie ist immer an den Menschen interessiert und der Frage, warum die tun, was sie tun. Sie macht Theater.
Ihr «Rheingold» war sehr geradlinig erzählt, aber auch aufgeladen mit Assoziationsangeboten, spannend für jüngeres Publikum, anregend für älteres. Die Premiere damals wurde bejubelt und war eine Verheißung. Jubel gibt es nach der «Walküre» wieder in Bern, weil Marciniak ihre Kunst konsequent fortsetzt. Man muss dabei gar nicht jedes Bildangebot unmittelbar verstehen, denn eben: Es geht im Kern ja um die Menschen. Die ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt März 2023
Rubrik: Panorama, Seite 45
von Egbert Tholl
Diese Oper war sein Schmerzenskind. Düster war dieses Kind, «weil es düster sein muss» (so der Schöpfer am 2. Februar 1881 an den Lebensfreund Opprandino Arrivabene), durchtränkt von einer zutiefst pessimistischen Menschensicht und versehen mit einem aus drei Tintenfässern stammenden Libretto, das Eduard Hanslick anlässlich der Wiener Erstaufführung ein Jahr nach...
Am Staatstheater Cottbus ist Stephan Märki nicht nur als Regisseur von Wagners «Tristan und Isolde» angetreten, sondern macht als Intendant aus der Premiere zudem ein Event. Im Graben setzt GMD Alexander Merzyn mit dem Philharmonischen Orchester weniger auf einen suggestiven Klangrausch als vielmehr auf den vitalen Kern, der letztlich hinter jeder Wagner’schen...
Sie war, das lässt sich auch aus der historischen Perspektive kaum anders sagen, eine durch und durch außergewöhnliche Erscheinung – eine Persönlichkeit. Vom lieben Gott gleichermaßen mit Klugheit wie Schönheit und Raffinement im Umgang mit dem herrschenden (männlichen) Personal auf Erden ausgestattet, entwickelte sie sich zu einer der führenden Politikerinnen...
