Äpfel und Messer
Milde und Nachsicht muss man ertragen können, im Leben – und auf der Bühne. An beiden Orten begegnen sie uns eher selten. Und wenn doch, ist gleich das Misstrauen da: dass da etwas nicht stimmen kann, ein Hintergedanke im Spiel ist, das Ende der Milde und Nachsicht sich bloß verzögert.
Regisseurin Clara Kalus hält es in Würzburg sogar ziemlich lange aus.
Ihr Tito, Roberto Ortiz, ist grundlegend freundlich, macht große Augen und staunt in erster Linie über sich selbst und die Tatsache, dass (und wie) es ihm nicht gelingen will, seinen Zorn so lange hochzuhalten, bis Sesto, der Verräter, der gerechten Strafe zugeführt worden ist. Tugend, das ist hier schön und rührend anzusehen, ist keine Selbstbeherrschung, keine Entscheidung, keine gute Erziehung: Es ist die Natur des nicht deformierten Menschen. Die Wut Titos – selbst ein Angekratzter, der die geliebte (ausländische) Berenike um der Staatsräson Willen verließ, wie ein Audio vorab rekapituliert – klappt regelrecht in sich zusammen. Das ist nicht er, er will das nicht. Wie auch Sesto ihn nicht morden wollte. «Ich hätte nie gedacht», lesen wir in ganz heutigem Deutsch in den Übertiteln mit, «wie furchtbar es ist, ein Mörder zu ...
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Opernwelt März 2023
Rubrik: Panorama, Seite 52
von Judith von Sternburg
Sie war, das lässt sich auch aus der historischen Perspektive kaum anders sagen, eine durch und durch außergewöhnliche Erscheinung – eine Persönlichkeit. Vom lieben Gott gleichermaßen mit Klugheit wie Schönheit und Raffinement im Umgang mit dem herrschenden (männlichen) Personal auf Erden ausgestattet, entwickelte sie sich zu einer der führenden Politikerinnen...
Claudio Monteverdis «L’incoronazione di Poppea» ist inzwischen die wohl populärste, meistgespielte Barockoper. Das freche, respektlose Libretto verabschiedet die Sphäre des gestelzten Mythos und landet mit der Sex-and-Crime-Handlung aus dem alten Rom im menschlichen Alltag. Wie das «Dschungelcamp» heute zeigen uns schon Monteverdi und sein Librettist Giovanni...
JUBILARE
Michail Svetlev kam am 6. März 1943 in Sofia zur Welt. Hier, in der bulgarischen Hauptstadt, betrieb er zunächst theologische Studien. Erfolge bei Gesangswettbewerben ebneten ihm jedoch den Weg zu einer eindrücklichen Laufbahn als Opernsänger. Anfang der 1970er-Jahre war Svetlev Tenor im Ensemble des Gärtnerplatztheaters in München. Bald folgten...
