Hoffnung, Chaos, Tod
Bücher beherrschen die Szene. Stefan Heyne entwarf zwei riesige, haushoch-halbrunde Bibliothekswände: das gespeicherte Wissen der Menschheit. Der Band mit dem Schwanenbild fällt indes vom Himmel. Der herbeigebetete Held streckt seinen Widersacher mit einem Buch nieder. Aber: Bücher kann man auch schänden, verbrennen. Sobald der Weg ins allgemeine Heil geebnet scheint und in einer Massenhysterie gefeiert wird, sobald der ersehnte Führer seine Herrschaft antritt, entledigt die hybride Gesellschaft sich ihres geistigen Reichtums. Sie zerreißt, zerfleddert einen guten Teil der Bücher.
Ein paar Leute hatten zuvor das Transparent «Wer ist unsere Zukunft?» hochgehalten. Die Antwort, später: «Unwissenheit ist Stärke». Der «deutsche Gruß» liegt in der Luft.
Wir sind längst bei der Inszenierung Frank Hilbrichs, dessen Freiburger «Ring» gerade wieder zweimal bevorsteht. Sein «Lohengrin» ist eine hochrangige Arbeit, eine spannende Verbildlichung einer wagnergemäß pessimistischen Sicht, die ins Chaos, in die Gewalt aller gegen alle mündet. Das Ende ist tatsächlich – das Ende. Elsa – rostrotes Haar, Jeans – hatte anfangs mit einer Menge Spiegelscherben hantiert. Aus ihnen besteht auch ihr ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Katastrophal. Man hört dieses Wort oft, wenn man derzeit mit Theaterleuten in Mecklenburg-Vorpommern spricht. Zu oft, um es als Jammerruf oder Panikmache empfindlicher Künstlerseelen abzuhaken. Es sieht tatsächlich nicht gut aus für die Bühnen zwischen Stralsund und Greifswald, Schwerin und Rostock, Neubrandenburg und Anklam. Anfang der neunziger Jahre hat das Land...
Seit 2010 leitet Gerard Mortier das Teatro Real in Madrid. Sein Ziel: Die spanische Hauptstadt soll von der Peripherie ins Zentrum der europäischen Opernlandschaft rücken. Doch die Bedingungen auf der iberischen Halbinsel haben sich dramatisch verschärft. Jeder fünfte Spanier ist arbeitslos, die öffentlichen Haushalte sind überschuldet, die Hoffnungen auf eine...
Eigentlich wollte Klaus Florian Vogt im April nach Barcelona fliegen, um mal den Lohengrin zu vergessen. Das Gran Teatre del Liceu hatte den Tenor für einen Doppelabend mit Zemlinskys «Zwerg» und «Florentinischer Tragödie» gebucht. Aber daraus wird nichts – die sechs Vorstellungen sind abgesagt. Auch eine für Mai geplante Aufführungsserie von Debussys «Pelléas et...
