Hoffnung, Chaos, Tod

Freiburg | Wagner: Lohengrin

Opernwelt - Logo

Bücher beherrschen die Szene. Stefan Heyne entwarf zwei riesige, haushoch-halbrunde Bibliothekswände: das gespeicherte Wissen der Menschheit. Der Band mit dem Schwanenbild fällt indes vom Himmel. Der herbeigebetete Held streckt seinen Widersacher mit einem Buch nieder. Aber: Bücher kann man auch schänden, verbrennen. Sobald der Weg ins allgemeine Heil geebnet scheint und in einer Massenhysterie gefeiert wird, sobald der ersehnte Führer seine Herrschaft antritt, entledigt die hybride Gesellschaft sich ihres geistigen Reichtums. Sie zerreißt, zerfleddert einen guten Teil der Bücher.

Ein paar Leute hatten zuvor das Transparent «Wer ist unsere Zukunft?» hochgehalten. Die Antwort, später: «Unwissenheit ist Stärke». Der «deutsche Gruß» liegt in der Luft.

Wir sind längst bei der Inszenierung Frank Hilbrichs, dessen Freiburger «Ring» gerade wieder zweimal bevorsteht. Sein «Lohengrin» ist eine hochrangige Arbeit, eine spannende Verbildlichung einer wagnergemäß pessimistischen Sicht, die ins Chaos, in die Gewalt aller gegen alle mündet. Das Ende ist tatsächlich – das Ende. Elsa – rostrotes Haar, Jeans – hatte anfangs mit einer Menge Spiegelscherben hantiert. Aus ihnen besteht auch ihr ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2012
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Heinz W. Koch

Vergriffen
Weitere Beiträge
Sinn und Gegensinn

Es ist schon eine gute Weile her, dass Simone Young nach der ersten Pause einer Aufführung in Hamburg mit Beifall empfangen und danach mit enthusiastischem Jubel verabschiedet wurde. Beim Start in die Saison 2011/12 mit Mozarts «Don Giovanni» war es, auch wegen der gefallsüchtigen Inszenierung von Doris Dörrie, zu lauten Unmutsäußerungen gekommen, die zwar in der...

Kompromisslos klar

Genau ein Jahr nach dem ersten Band der Musiktheater-Schriften von Joachim Herz (OW 2/2011) sind die beiden Folgebände erschienen; die Auswahl hat der große Regisseur vor seinem Tod im Oktober 2010 noch selbst treffen können. Band II ist zunächst der italienischen (Schwerpunkte sind Verdi und Puccini), russischen und tschechischen (Janácek) Oper des 19. und frühen...

Die Hochzeit – ein Traum

Einen Zyklus mit Meisterwerken des 20. Jahrhunderts zu starten, ist keine neue Idee. Aber darum wird ja nicht schlechter, was das Badische Staatstheater unter seinem neuen Intendanten Peter Spuhler in Szene setzt. Noch verdienstvoller indes: Den Anfang markiert in Karlsruhe «Romeo und Julia auf dem Dorfe» von Frederick Delius.

Die Väter bekriegen sich. Die Kinder...