Die Hochzeit – ein Traum
Einen Zyklus mit Meisterwerken des 20. Jahrhunderts zu starten, ist keine neue Idee. Aber darum wird ja nicht schlechter, was das Badische Staatstheater unter seinem neuen Intendanten Peter Spuhler in Szene setzt. Noch verdienstvoller indes: Den Anfang markiert in Karlsruhe «Romeo und Julia auf dem Dorfe» von Frederick Delius.
Die Väter bekriegen sich. Die Kinder gehen daran zuschanden. Shakespeare? Jein. Da sehr frei nach ihm. Das junge Paar, das sich reinen Herzens zugetan ist, heißt eben nicht Romeo und Julia, sondern Sali und Vrenchen. Die Väter sind auch keine Veroneser Edelleute.
Sie sind Schweizer Bauern, die sich um ein Stück Brachland zerfetzen. Und die Kinder rudern in den gewollten Tod – in dem Kahn, der ihr Brautbett ist. Auf dieser Welt war für sie kein Platz. Wer älter ist und sich an seine Schullektüre erinnert, schaltet sofort: Gottfried Keller, die Sammlung «Die Leute von Seldwyla» und daraus die Novelle, deren Titel auch die Oper trägt.
Die Musik scheint irgendwo zu beginnen und irgendwo zu versiegen: Streicherlangsamkeit, aus der sich die Holzbläser herauslösen. Spätromantischer Klang, eine Prise Impressionismus, ausgesuchte Koloristik, chromatisch gewürzt, sanft ...
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«Faust und Yorick»
Der Abend zeitgenössischer Operneinakter, die zum 125-jährigen Bestehen des Opernhauses in der Niedersächsischen Staatsoper Hannover gezeigt wurden, begann mit Wolfgang Rihms Kammeroper «Faust und Yorick». Was den 25-jährigen, in Freiburg lebenden, an der Karlsruher Musikhochschule lehrenden Komponisten an Tardieus Gleichnis «Faust und Yorick» –...
Und wenn einer tritt, dann bin ich es; und wird einer getreten, bist du’s. Das Hohelied kapitalistischer Denkungsweise, mit dem das Publikum nach dem ersten Akt von «Mahagonny» in die Pause entlassen wird, dieses Credo der Zocker und Spekulanten, war vermutlich nie aktueller als heute. Und so trifft sich’s gut, dass die Wiener Staatsoper die moralinreiche...
Dass fast alle von vornherein verloren sind, wird schnell klar. Ausstatterin Annemarie Woods, die 2011 (mit anderem Regiepartner) zwei wichtige Nachwuchspreise gewann, lässt den Figuren kaum Raum für Entfaltung – weder in ihrer zwischen Surrealismus und Expressionismus schwankenden Bühne noch in ihren historisierenden Kostümen, die das Stück ins frühe 20....
