Höhenflüge
Der eine, Freund Fritz, will nicht heiraten, nicht um den Wettpreis eines Weinbergs, den ihm sein Kumpel David verspricht, und obwohl er schon lange Zuneigung zu Suzel hegt. Der andere, Postillon Chapelou, heiratet dafür gleich zwei Mal: einmal die Gastwirtin Madeleine und dann, zehn Jahre später, als er in Paris als Opernstar «Saint-Phar» Furore macht, Madame de Latour. Als die Bigamie auffliegt, ist es fast um seinen Kopf geschehen, wären nicht die Bürger- und die Adelsfrau ein und dieselbe Person.
Mit zwei Raritäten machten die Tiroler Festspiele in Erl in der Wintersaison rund um Weihnachten und den Jahreswechsel bella figura. Zwar durften von den 730 Plätzen im Festspielhaus, neben der angestammten Passions- und Wagner-Spielstätte, die der geschasste Gründer Gustav Kuhn zum sommerlichen Mekka eines Alpen-Bayreuth gemacht hatte, nur 500 Karten verkauft werden (generös stiftete man dem Tiroler Gesundheitspersonal Freikarten), dennoch war die Publikumskulisse dicht und der Beifall für das Ungewöhnliche von großer Zustimmung geprägt. Man spürte: Hier ist ein Ansatz, den der künstlerisch Verantwortliche, Frankfurts Opernintendant Bernd Loebe, gut und gerne weiterentwickeln sollte. ...
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Opernwelt Februar 2022
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Karl Harb
Vielleicht ist die Spitze des Bleistifts, mit dem François-Xavier Roth an diesem Abend dirigiert, der Fluchtpunkt, jedenfalls das Kraftzentrum des Ganzen. Vielleicht hat er kurz zuvor mit eben diesem Stift noch Ausrufezeichen und das eine oder andere «Voilà!» in Humperdincks Partitur hineingeschrieben. Immerhin zählt er «Hänsel und Gretel» zu den am besten...
Da steht eine kaputte Kutsche im Winterwald von Fontainebleau, dem Ort der ersten Begegnung den spanischen Kronprinzen und seiner französischen Braut, die es nicht bleibt, weil die Politik dazwischenkommt und der König selbst zugreifen wird. Es ist dunkel – und heller wird es den ganzen langen Abend nicht mehr. Wir schauen in finstere Kloster- und...
Die Welt ist auf den Kopf gestellt: Ein großer Baum wächst in Ingo Kerkhofs «Werther»-Inszenierung verkehrt herum aus dem Bühnenhimmel; der lindgrüne Bühnenboden ist hochgeklappt und schwebt wenige Zentimeter unter der Decke. Der von Dirk Becker entworfene Raum bringt die Emotionslage des Titelhelden treffend auf den Punkt: Seit seiner ersten Begegnung mit...
