Historische Camouflage
Vor sechs Jahren sang Philippe Jaroussky auf dem Album «Opium» erstmals französische Lieder der Belle Époque (siehe OW 5/2009). Im Sinne einer Mentalitätsgeschichte der Klänge ließe sich auch rechtfertigen, dass ein Countertenor dieses Repertoire pflegt, gerade jetzt, da Jaroussky zwei neue CDs mit Liedern nach Paul Verlaine aufgenommen hat. Als 1869 durch die Schenkung des Arztes Louis La Caze in großem Umfang Bilder des Rokoko-Malers Antoine Watteau in den Louvre gelangt waren, reagierte Verlaine sofort mit dem Gedichtband «Fêtes galantes» auf Stil und Welt dieser Bilder.
Kurz darauf erhoben die Brüder Goncourt in ihrem Buch «Die Kunst des 18. Jahrhunderts» Watteau zum großen Poeten der Anmut. So vollzog sich die Grundlegung der Belle Époque als «Zweites Rokoko». Ein Countertenor, als nicht-authentischer Nachfahre der Kastraten (die es in Frankreich nie gegeben hat), übersetzt diese historistische Camouflage ins Stimmlich-Körperliche.
Doch Jaroussky leistet mit seinem hochintelligent konzipierten Doppelalbum viel mehr: Er zeigt, wie anschlussfähig Verlaines Dichtung für verschiedene Stile im Sinne sozialer Sphären war. Es gibt zwei herrliche Operetten-Couplets von Emmanuel ...
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Opernwelt März 2015
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 24
von Jan Brachmann
In amerikanischen Opernhäusern geht es richtig streng zu. Man darf keine Kraftausdrücke benutzen, duldet kein sogenanntes «unangebrachtes Verhalten am Arbeitsplatz», sogar ob man Parfüm trägt, kann man nicht selbst entscheiden. Fluchen, Knutschen, Sprühen? Pustekuchen. Die ersten beiden Punkte regeln sich ganz von selbst, dafür sorgt schon die allgemeine Prüderie....
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