Histofuturistisch
Kreta – an der Semperoper zeigt sich die Insel als ästhetische Mischung aus Raffaello-Werbewelt und Science Fiction. Die Bühne dominiert ein breiter Steg, überspannt von vier Rahmen, auf die das Meer projiziert werden kann, gepeitschter Schaum, azurne Ruhe. Kathrin-Susann Brose skizziert so eine barocke Gassenbühne. Sie kann ein Schiffsdeck sein oder die Rampe eines Space Shuttles. Historisch und futuristisch zugleich, wie Idomeneo. Michael Schulz will das Zwitterwesen aus Typen- und Charaktertheater hervorkehren.
So geht es der barocken Prachtschnepfe Elettra wie den Märchenfiguren im Disney-Film Enchanted, die sich aus der Zeichentrick- in die reale Welt verirren und dort geradezu außerirdisch wirken. Elettra schreitet zwischen den in weißen Sommerroben puristisch gewandeten Kretern umher und wünscht sich wohl, sie hätte noch die Zauberkraft einer Händel’schen Alcina, um Ilia und Idamante zu trennen. Faktisch bleibt sie eine machtlose Randfigur, die ihre Arien denn auch meist für sich singt. Am Schluss begreift sie, dass es Zeit wird, sich anzupassen; mit «D’Oreste, d’Aiace» reißt sie sich die grelle Satinrobe vom Leib und wird in schlichtem Kittel zeitgemäß.
Rachel ...
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Opernwelt Januar 2013
Rubrik: Panorama, Seite 37
von Wiebke Roloff
Herr Sawallisch, Ihr Bühnenabschied liegt sieben Jahre zurück. Wie geht es Ihnen?
Ich freue mich, dass ich zu Hause in aller Ruhe meinen Lebensabend verbringen kann. Manchmal sind Besuche von der Bayerischen Staatsoper eine herzerfrischende Unterbrechung. Ich hatte in München die Möglichkeit, mit Strauss und Wagner und Mozart der Oper eine Richtung zu geben, von der...
Jubilare
Wie so viele britische Dirigenten ist er ein Spross der Kathedralchortradition und ausgebildeter Organist. Heute kennt man Richard Armstrong als Operndirigenten mit Schwerpunkt auf den Werken Verdis, Wagners, Strauss’ und Janáceks. Armstrong war von 1973 bis 1986 Music Director der Welsh National Opera, dieselbe Position hatte er von 1993 bis 2005 an der...
In ihrem Tagebuch notiert Cosima Wagner von den Ring-Proben 1876, dass den Kindern der erste Akt Siegfried am besten gefallen habe. Kinder wären auch die idealen Zuschauer für Achim Freyers am Puppenspiel und Kasperletheater orientierter Mannheimer Inszenierung. Für das Scherzo in Wagners Ring-Sinfonie vom Anfang und Ende der Welt verzichtet Freyer auf das optisch...
