Emotionaler Hochdruck
Andernorts werden Theater geschlossen, Heidelberg eröffnet ein neues und besitzt mit dem großzügig sanierten Altbau aus dem 19. Jahrhundert sowie dem sachlich-kühlen Neubau mit 512 Sitzplätzen jetzt gleich zwei technisch hervorragend bestückte Räume, um die viele Kommunen die Universitätsstadt am Neckar beneiden werden.
Besichtigt man das von den Darmstädter Architekten Waechter elegant durch eine einheitliche Fassade verbundene Areal, so muss man der Stadt bescheinigen, dass die nicht einmal übermäßig hohen Baukosten von 64 Millionen Euro – davon fast ein Drittel durch Spenden von Mäzenen und Sponsoren gedeckt – gut angelegt sind. Die Theatermacher selbst ließen sich nicht lumpen und organisierten am Nachmittag als spektakuläres Eröffnungsfest einen ganz im Zeichen John Cages stehenden Umzug durch die Altstadt – rund 600 Mitwirkende in 40 Formationen –, bei dem Blockflöten und Schlagwerk, Posaunenchor und Gesangsvereine, Bigband und Sufi-Musiker im Verein mit den Martinshörnern von Polizei und Feuerwehr anarchisch in-, gegen- und miteinander tönten. Am Ende dieses Chaos von Klängen und Geräuschen stand das gemeinsame Unisono aller Mitwirkenden im gesammelten Schweigen von Cages ...
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Opernwelt Januar 2013
Rubrik: Magazin, Seite 71
von Uwe Schweikert
Das ist der Stoff, aus dem die Depressionen sind. Neureiche Eltern, Emporkömmlinge, bei denen die Selbstreflexion allerdings nicht Schritt hält mit den wachsenden Renditen. Mama pflegt das Leben als Fassade, der Ehe-Frust sucht sein Ventil im Hyper-Exaltierten. Da bleiben kaum Raum und Liebe für Tochter Antoinette, die unterm Tisch kauert, sich in Irreales...
Weil er im März des Jahres 1881 starb, hat Modest Mussorgsky die Gelegenheit knapp verpasst, Augen- und Ohrenzeuge des umfassend überarbeiteten Simon Boccanegra zu werden, mit dem Verdi im selben Jahr an der Mailänder Scala Triumphe feierte. Bedenkt man den Einfluss, den schon La forza del destino auf russische Komponisten ausgeübt hatte, so ist es reizvoll,...
Immerhin. Man hält's im Hause des reichsten Mannes von Wien – wie wahrhaftig auch immer – mit der aktuellen Kunst. Man gibt eine Oper in Auftrag, wenn man sie auch später verstümmelt, und auf Tilo Steffens’ Bühne zu Ariadne auf Naxos erblicken wir hinten, hoch oben in der Festloge, den Haushofmeister, in Klimts Jugendstilmalerei vertieft. Wie man mit den...
