Himmlische Längen
«In Osten wob ich. In Westen wand ich». Klingt nach Wagner. Stimmt auch. Das Zitat stammt aus der Kompositionsskizze zu «Siegfrieds Tod» von 1850. Bereits für ihr Weimarer «Rheingold» hatten Regisseur Michael Schulz und Dramaturg Wolfgang Willaschek aus dem Fragment Stoff für einen Prolog gewonnen. Vor Beginn der «Walküre» nun wird die Vorgeschichte der Oper stumm erzählt. Nach knapp zwei Minuten hallt der langgezogene Schrei des frisch gezeugten Hagen wie eine Luftschutzsirene im Götterhimmel wider und geht in die Gewittermusik des ersten Akts über.
Knapper und zündender kann man ein heutiges Publikum kaum für die ausufernde Weltuntergangsparabel gewinnen.
Was folgt, ist ein klug erzähltes Kammerspiel vor weißen Wänden, das indes über die Weimarer Finanznot nicht völlig hinwegtäuscht. Bis zu den schönen, kühlen Zeichen des Feuerzaubers – Scherenschnitt der Brünnhilde und brennender Speer – wird man nicht einen Augenblick an der authentischen Modernität dieser «Walküre» zweifeln, wohl aber daran, dass die karge Ausstattung ausschließlich künstlerischen Erwägungen geschuldet ist. Klar ist jedoch: Mit Verzicht auf Kulisse, Bühnennebel und Schminke machen die Weimarer dem ...
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