Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt
Wie wohl das Paradies auf Erden klingt? Nun, die Antwort fällt eigentlich leicht: Es klingt so, wie es im finalen Duett von Claudio Monteverdis Meisterwerk «L’incoronazione di Poppea» aufscheint: sehnsuchtsvoll, glückselig, voller Anmut und Liebreiz, milde lächelnd, ja, und auch ein bisschen kitschig.
«Pur ti miro», und ich schaue dich an, haucht Poppea ihrem Bettgefährten Nero verschlagen ins Öhrchen, nachdem Venus auf Wunsch von Amor beschlossen hat, sie in den Göttinenstand zu erheben, «pur te giro», und ich weide mich an dir, flötet dieser seufzend zurück, bevor dann die Stimmen zärtlich-leise miteinander verschmelzen im dionysischen Rausch: «Pur ti stringo, pur t’annodo /più non peno, più non moro, / O mia vita, o mio tesoro.» Ich umfange dich, ich fessle dich. / Nie mehr leiden, nie mehr sterben. / Mein Leben, mein Schatz.»
Die Musik, die Monteverdi zu diesen schmachtenden Versen schrieb, ist so unglaublich schön, so überwältigend sinnlich, dass man geneigt ist, immer wieder nur dieses eine Stück hören zu wollen, zumal mit den Protagonisten Anna Lucia Richter und Dmitry Sinkovsky, die gerade für diese filmreife Szene am Ende des Dramma musicale genau den richtigen, will ...
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Opernwelt Juni 2021
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 46
von Jürgen Otten
Keine wie sie ist so sehr Bühne. In keiner anderen Stadt machen Frauen und Männer einander solch opernreife Szenen der Leidenschaft. Nur hier wirken Identitätentausch und Simulation im Rollenspiel des Karnevals vollkommen natürlich und kunstvoll zugleich. Nirgends gehört das Singen von mittelprächtigen «O sole mio»-Tenören so selbstverständlich zum Leben wie am...
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