Herzenssachen, surreal

Massenet: Werther in Strassburg

Opernwelt - Logo

Es war eine Herzensangelegenheit. Als eine der letzten Inszenierungen in seiner mit dieser Spielzeit zu Ende gehenden Ära als Intendant der elsässischen Rheinoper hat Nicholas Snowman die Neuproduktion von Massenets «Werther» verantwortet – «ein Werk, das ich in mehrfacher Hinsicht liebe», wie er im Programmheft schreibt.

Voilà, es ist ein schönes, nein, ein famoses Abschiedsgeschenk geworden – große französische Oper, oder um es korrekt mit des Komponisten Gattungsbezeichnung zu sagen: ein ergreifendes drame lyrique dank einer Inszenierung, die Seelenkonflikte in Form surrealer Seelenlandschaften in ihren Mittelpunkt stellt.
Das ist das Verdienst eines Regieteams, das vor zweieinhalb Jahren in Straßburg mit Jacques Offenbachs «La belle Hélène» reüssierte, als es die Belle-Epoque-Parodie in ein Filmset des frühen 20. Jahrhunderts verlegte. Dieses Mal sind es der schwärmerische Gestus der Goethe’schen Vorlage und die Brüche in dessen Fortsetzung durch Massenets Musik, die Regisseurin Mariame Clément zu einer überwältigend emotionalen Sicht auf den «Werther»-Stoff gereicht. In den fantastischen Bildern und authentischen Kostümen Julia Hansens erwächst eine Szenerie, in der die ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2009
Rubrik: Panorama, Seite 50
von Alexander Dick

Vergriffen
Weitere Beiträge
L'art pour l'art

Der Teufel trägt Prada? Mitnichten. Zumindest nicht im Baden-Badener Festspielhaus. In Webers «Freischütz» bestimmen die Amsterdamer Couturiers Viktor & Rolf, wo’s lang geht – mehr noch als der Regisseur und Bühnenbildner Robert Wilson, und das will ja etwas heißen. Man könnte diese Zeilen spielend mit der Beschreibung dessen füllen, was ihrer auch sonst schon...

Wandererfantasie

Das Leben? Man kommt nicht umhin, es als unendliches, unauflösbares Rätsel zu begreifen, als ewiges Enigma. Wer auch immer danach trachtet, Sinn oder Nicht-Sinn zu ergründen, muss letztlich erkennen, dass die entscheidenden Fragen nicht zu beantworten sind. Wer wäre imstande, die Rolle des Orakels zu übernehmen? Ist nicht jeder viel zu sehr mit sich selbst...

Unterwegs auf Nebenwegen

Gut zwei Jahrzehnte ist es her, dass der Dirigent Stephen Crout die Washington Concert Opera (WCO) ins Leben rief. Seit 1987 hat die Company in dem 1550 Plätze bietenden Lisner Auditorium der George Washington University 38 Opern präsentiert. Crout konnte etwas Geld von Stiftungen einwerben, doch den größten Teil des Budgets stellen die Abonnenten und private...