Herzenssachen, surreal
Es war eine Herzensangelegenheit. Als eine der letzten Inszenierungen in seiner mit dieser Spielzeit zu Ende gehenden Ära als Intendant der elsässischen Rheinoper hat Nicholas Snowman die Neuproduktion von Massenets «Werther» verantwortet – «ein Werk, das ich in mehrfacher Hinsicht liebe», wie er im Programmheft schreibt.
Voilà, es ist ein schönes, nein, ein famoses Abschiedsgeschenk geworden – große französische Oper, oder um es korrekt mit des Komponisten Gattungsbezeichnung zu sagen: ein ergreifendes drame lyrique dank einer Inszenierung, die Seelenkonflikte in Form surrealer Seelenlandschaften in ihren Mittelpunkt stellt.
Das ist das Verdienst eines Regieteams, das vor zweieinhalb Jahren in Straßburg mit Jacques Offenbachs «La belle Hélène» reüssierte, als es die Belle-Epoque-Parodie in ein Filmset des frühen 20. Jahrhunderts verlegte. Dieses Mal sind es der schwärmerische Gestus der Goethe’schen Vorlage und die Brüche in dessen Fortsetzung durch Massenets Musik, die Regisseurin Mariame Clément zu einer überwältigend emotionalen Sicht auf den «Werther»-Stoff gereicht. In den fantastischen Bildern und authentischen Kostümen Julia Hansens erwächst eine Szenerie, in der die ...
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