Herzenssachen, surreal
Es war eine Herzensangelegenheit. Als eine der letzten Inszenierungen in seiner mit dieser Spielzeit zu Ende gehenden Ära als Intendant der elsässischen Rheinoper hat Nicholas Snowman die Neuproduktion von Massenets «Werther» verantwortet – «ein Werk, das ich in mehrfacher Hinsicht liebe», wie er im Programmheft schreibt.
Voilà, es ist ein schönes, nein, ein famoses Abschiedsgeschenk geworden – große französische Oper, oder um es korrekt mit des Komponisten Gattungsbezeichnung zu sagen: ein ergreifendes drame lyrique dank einer Inszenierung, die Seelenkonflikte in Form surrealer Seelenlandschaften in ihren Mittelpunkt stellt.
Das ist das Verdienst eines Regieteams, das vor zweieinhalb Jahren in Straßburg mit Jacques Offenbachs «La belle Hélène» reüssierte, als es die Belle-Epoque-Parodie in ein Filmset des frühen 20. Jahrhunderts verlegte. Dieses Mal sind es der schwärmerische Gestus der Goethe’schen Vorlage und die Brüche in dessen Fortsetzung durch Massenets Musik, die Regisseurin Mariame Clément zu einer überwältigend emotionalen Sicht auf den «Werther»-Stoff gereicht. In den fantastischen Bildern und authentischen Kostümen Julia Hansens erwächst eine Szenerie, in der die ...
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Im Jahr 1977 brachte EMI unter dem Titel «The Record of Singing» zwölf Langspielplatten heraus. Es war «der Versuch, einen Überblick über die Kunst des Singens, wie sie auf Platten überlebt hat, zu geben». Die Idee zu diesem Projekt ging auf den britischen Sammler Vivian Liff zurück, der sowohl die Sänger als auch die Titel aussuchte. Die opulente Kassette schloss...
Musetta kennt man als kokette, notorisch zickende Diva, die in Koloraturen zwitschert und auch sonst wenig Bodenhaftung hat. Bei Puccinis «La Bohème» ist sie eher eine Randfigur, die ab und zu mit ihrem Temperament die melancholische Melodienseligkeit der Oper aufwirbelt. Ruggero Leoncavallo hatte sich schon vorher für die Geschichten aus Henri Murgers 1848 in...
Polizeikordons in der Altstadt von Brno. Am Platz vor der Reduta, in der schon der elfjährige Mozart konzertiert hatte, sammelten sich Demonstranten, der milde Sonnenschein mochte so gar nicht mit der Aggression übereinstimmen, die in der Luft lag. Ein Tag im Mai, die Rechten wollten aufmarschieren, die Linken hatten viel dagegen. Der Platz war gut gewählt, gilt...
