Herzenssache
Frau Heidenreich, Sie sind nicht nur eine leidenschaftliche Leserin belletristischer Literatur, Sie lieben auch die klassische Musik, zumal die Oper. Woher rührt diese Zuneigung?
Das kommt von meiner Mutter. Sie war sehr musikalisch und konnte jede Melodie nachsingen, die sie irgendwo gehört hatte. Und zwar, ohne je die Stimme geschult oder ein Instrument gelernt zu haben. Sie stammte aus sehr armen Verhältnissen, für Unterricht fehlte das Geld. Aber ich erinnere mich genau, wie sie bei uns zu Hause den ganzen Tag Opernarien trällerte.
Auch im Radio hörte sie am liebsten Opern. Mozart, Verdi, Puccini – die habe ich schon als Kind kennengelernt.
War Ihre Mutter ein Naturtalent?
Ja, sie hatte eine natürliche Begabung. Die Musik, das Singen lösten bei ihr Gefühle aus, die sie sonst nicht zeigte. Sie war eigentlich eine harte, energische Frau. Aber wenn sie Musik hörte, taute sie auf, ließ sich mitreißen in alle Gefühlshöhen und Gefühlstiefen. Mir geht es heute ähnlich. Ich weiß immer alles besser, bin sehr schnell und tough, aber wenn ich in der Oper sitze, wird mein Herz weich und groß und steht plötzlich weit offen.
Wann haben Sie zum ersten Mal eine Opernaufführung besucht?
Mit ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Um das designergestylte Programmheft zu paraphrasieren: Ein Mord ist geschehen. Täter: Mann, 46 Jahre alt. Opfer: Bizets «Carmen». Grund: «Ich wollte sie nicht einfach umbringen; ich wollte ihre Schönheit zerstören.» Sebastian Nübling hat bei seinem Operndebüt gleich mehrfach zu den zähesten Klischees des Regietheaters gegriffen. Also zeigt schon der Anfang in...
Langes Drumherumreden nützt in diesem Fall nichts: Diese Einspielung von Vivaldis «Griselda» ist eine der brillantesten Opernaufnahmen seit langem. Eine Produktion, die den Hörer keine Sekunde lang entspannen lässt, die ihn vom Sessel aufscheucht und auf eine harte Stuhlkante zwingt; nur so wird er mitbekommen, was hier an musikalischer Dramatik, Spannung und...
Prinzipiell lässt sich darüber streiten, ob es sinnvoll ist, Bühnenproduktionen, die vor allem wegen ihrer szenischen Aspekte große Beachtung gefunden haben, als pure Tonkonserven zu veröffentlichen. Der Stuttgarter «Ring» von 2002/03 liegt mittlerweile bei Euroarts auf DVD vor und hat in der Filmversion ebenso viel Zustimmung gefunden wie seinerzeit die...
