Opernkino ohne Bild
Prinzipiell lässt sich darüber streiten, ob es sinnvoll ist, Bühnenproduktionen, die vor allem wegen ihrer szenischen Aspekte große Beachtung gefunden haben, als pure Tonkonserven zu veröffentlichen. Der Stuttgarter «Ring» von 2002/03 liegt mittlerweile bei Euroarts auf DVD vor und hat in der Filmversion ebenso viel Zustimmung gefunden wie seinerzeit die Bühnenpremieren. Augen haben schlechte Ohren, will sagen: Vom Optischen fasziniert hört auch der kritische Musikfreund leicht über vokale Unzulänglichkeiten hinweg.
Bei einem nur akustischen Mitschnitt fallen solche Schwächen aber desto stärker ins Gewicht. Das hat das vor Monaten bei Naxos veröffentlichte «Rheingold» schon schmerzhaft deutlich gemacht. Aber auch die jetzt nachgereichte «Walküre» lässt nicht durchweg Freude aufkommen.
Den ersten Akt verfolgt man noch mit einiger Spannung, da das Wälsungenpaar mit Robert Gambill und Angela Denoke vokaldramaturgisch sehr glücklich besetzt ist und Attila Jun über die der Partie des Hunding adäquate sinistre Stimmfarbe verfügt. Doch bereits im zweiten Akt gibt es in den Auseinandersetzungen Wotans mit Fricka und Brünnhilde einige Durststrecken zu überstehen. Denn Jan-Hendrik ...
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In der Oper geht es zu wie im wirklichen Leben: Die meisten lügen, dass sich die Balken biegen, die wichtigen Dinge geschehen hinter den Kulissen, wer Dreck am Stecken hat, verbirgt den Stecken, und die Intriganten handeln ganz selbstlos in höherem Interesse.
Der Berliner Staatsopernintendant Peter Mussbach hat das in seiner Mailänder «Don Giovanni»-Inszenierung,...
«Se prohibe fumar» stand im Juni 2005 rot und streng auf grauer Wand bei Andrea Breth draußen in der Helmut-List-Halle, anlässlich von Nikolaus Harnoncourts Styriarte. Und der Abend verlief auch so. Rauchen verboten, Liebe dito, Fantasie, Freiheit, alles. Bloß die Utopie blieb den Figuren damals im Bunkerraum, der den Geruch nach abgestandenem Schweiß zum Bild...
Noch bis in den Oktober hinein schmückten Brecht-Aphorismen das Foyer des Berliner Admiralspalastes – im königsblauen Layout der Deutschen Bank, die dort Brandauer-Campinos «Dreigroschenoper» sponsorte. Man mag da an Karl Kraus’ Ausspruch denken, dass ein Dichter vor nichts größere Angst haben müsse als davor, dass seine Stücke zu Klassikern erhoben würden. Doch...
