Herz, Schmerz und süße Liebe
Auch wenn der Sitznachbar zur Linken die Frage, ob er denn Englisch spreche oder gar Deutsch, mit sanftem Nachdruck zurückweist («Český!!»), auch wenn wir in der Aufführung einer die nationale Folklore feiernden Smetana-Oper sitzen, ist dieser Abend keine subversive Manifestation eines kulturellen Tschexit.
Selbst wenn Jiři Nekvasil, seit 2010 Intendant des Národní Divadlo Moravskoslezské (des Mährisch-Schlesischen Nationaltheaters), dem Opernrepertoire seiner Heimat von Anfang an einen speziellen Platz einräumte, der über den (doch stets etwas herablassend klingenden) Begriff «Nische» weit hinausgeht. Ein Dutzend
außerhalb Tschechiens kaum bekannter Werke hat er bis dato ans Licht geholt; unter anderem
Janáčeks «Šárka», Martinůs «Ariadna», «Mirandolina» und «Die drei Wünsche» sowie Dvořáks
«Armida».
Und nun auch Smetanas «Geheimnis», im Original «Tajemství» genannt, 1878 in Prag uraufgeführt – seit 1979 nicht mehr in Ostrava, davor allerdings von 1922 an in zehn verschiedenen Produktionen. Die neue zählt zum Smetana-Zyklus, der 2014 mit «Die Teufelswand» begonnen und 2016 mit «Die Brandenburger in Böhmen» fortgesetzt wurde. In die Zielgerade biegt er 2024, im Jahr der 200. ...
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Opernwelt Juni 2017
Rubrik: Magazin, Seite 78
von Gerhard Persché
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