Herz aus Glas, blind wie die Liebe?
Lilith, die erste Frau Adams, aus Lehm geschaffen wie er und nicht aus seiner Rippe; die Unbotsame, die der Männer Macht – und damit auch die eines vermeintlich männlichen Gottes – zum Lachen findet. Lilith, die beim Sex immer oben liegen will und schließlich, verbannt, protestierend das Paradies verlässt, um sich im Dämonenreich umzutun. Lilith, das role model der emanzipierten Frau – sie lamentiert am Schluss der Oper «Paradise reloaded (Lilith)» von Peter Eötvös: «Mein Herz, siehst du’s, es ist aus Glas. Es wird blind wie die Liebe, die es trug.
Von der Welt bleibt nichts, nur Betrug...».
Was soll man dazu sagen? Vielleicht Tucholsky zitieren: «Kitsch ist das Echo der Kunst»? Da echote es unlängst gewaltig in der Halle B des Wiener Museumsquartiers bei dieser Uraufführung (durch die Neue Oper Wien, gesponsert von der Ernst von Siemens-Musikstiftung und in Kooperation mit dem Festival Wien Modern). Und das Echo schallte weniger in Zusammenhang mit der Musik als mit dem Text. Im Grunde kann man nur bestätigen, was Stephan Mösch vor drei Jahren zum Schwesterstück «Tragödie des Teufels» anmerkte (siehe OW 4/2010): Das Libretto ist in seinem Überfliegereifer so bieder wie in seinen ...
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Opernwelt Januar 2014
Rubrik: Magazin, Seite 68
von Gerhard Pesché
Die neue «West Side Story» an der Komischen Oper ist bis auf Weiteres ausverkauft. Dass diese Produktion des Intendanten und Chefregisseurs Barrie Kosky und seines Choreografen Otto Pichler ein echtes musiktheatralisches Ereignis ist, hat sich rasch herumgesprochen. In der originalen Orchesterbesetzung und nahezu ungestrichen gespielt, entpuppt sich Bernsteins...
Tamino heißt jetzt Isménor. Aus Papageno ist Bochoris geworden, und Papagena kommt als Mona daher. Die Königin der Nacht singt Mezzo und tritt unter dem Namen Myrrène auf. Monostatos schrumpft zum Anonymus. Nur Pamina und Sarastro haben der aus Prag stammende Wahlfranzose Ludwig Wenzel Lachnith und sein Textdichter Étienne Morel de Chédeville nicht umgetauft, als...
So omnipräsent Verdis Glanzstücke der mittleren und späten Jahre sind – die meisten frühen Opern seiner schaffenswütigen «Galeerenjahre» blieben fast unbeachtet. Ausnahmen bestätigen die Regel. Simone Young, Generalmusikdirektorin und Intendantin der Hamburgischen Staatsoper, hat unter dem Motto «Verdi im Visier» eine Trilogie der so ungewöhnlichen wie kompakten...
