Herunter vom Podest
Frau Schäfer, szenische Annäherungen an Schuberts «Winterreise» haben derzeit Hochkonjunktur. Sie haben die vierundzwanzig «schaurigen Lieder» in einem Duisburger Industriebau gesungen. Worin besteht für Sie der dramatische Impetus dieses Zyklus?
Ich finde, dass die «Winterreise» gar nicht so schaurig und tragisch ist, wie immer behauptet wird. Natürlich ist der Abschied des Erzählers aus seiner vertrauten Lebenswelt schmerzlich, aber er geht aus freien Stücken. Es sind nicht die anderen, die ihn fortschicken, er entscheidet, alles hinter sich zu lassen.
Hier spricht ein Mensch, der nicht in die Gesellschaft passt, in die er hineingeboren wurde, und der irgendwann auch nicht mehr dazugehören will. Er ist eher ein Verlassender als ein Verlassener, eine autarke Persönlichkeit. Das ist für mich ein entscheidender Aspekt, der meist unter den Tisch fällt.
Können Sie den künstlerischen Mehrwert beschreiben, den Sie mit einer Darbietung unter Videobildern, auf der «Bühne» eines Boxrings verbinden?
Indem zum Beispiel auf den Videoleinwänden Menschen von heute zu sehen waren, entstand sozusagen eine Beziehung zwischen den beinahe zweihundert Jahre alten Texten Wilhelm Müllers und unserer ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Februar 2005
Rubrik: Thema: Szenische Liederabende, Seite 34
von Albrecht Thiemann
Eine veritable Rakete an Farben, Geschichten, Bewegung. Abgefeuert haben sie Regisseur und Bühnenbildner Nigel Lowery und der persische Choreograph Amir Hosseinpour. Gebaut hat sie, vor fast zweieinhalb Jahrhunderten Jean-Philippe Rameau. Nachdem Lowery vor Jahren nach einer provokativen «Hänsel und Gretel»-Inszenierung beinahe aus der Stadt gewiesen worden wäre,...
Von allen Werken Wagners bereitet der einst so populäre «Lohengrin» heute die größten Schwierigkeiten. Der Dichter-Komponist hat hier ein auseinander strebendes Bündel an Motiven – Liebesutopie, Künstlerdrama, politische Parabel, Mysterium über die Zweideutigkeit des Heiligen – zum Weltanschauungstheater zusammengepresst. Und der ideologische Missbrauch, bis hin...
Verdis wilde Männer: Bald nach dem «Nabucco» ließ sich der Komponist von Attila fesseln, der «Geißel Gottes». Eine Paradepartie für Bässe, die Belcanto mit Ausdrucksgewalt zu verbinden wissen. In Gelsenkirchen setzt Nicolai Karnolsky seine robuste Stimme wirkungsvoll ein, wird allerdings von Jee-Hyun Kims Ezio in die Schranken verwiesen, ein Hüne in Gestalt und...
