Herr Harald
Allein der erste Satz: zauberhaft. Lakonisch, poetisch, direkt. «Da ist er.» Und dann sein Name. «Herr Harald». Herr Harald hat keinen Nachnamen, aber eigentlich hat er auch keinen Vornamen. Er ist eben – «Herr Harald». Er selbst nennt sich einen Opernliebhaber, aber das ist ein wenig untertrieben, weil Herr Harald von der Musik, die er hört, doch mehr versteht, als er zuzugeben bereit ist. Das kleine Problem ist nur: Er hört diese Musik meist nur durch die Türen, gedämpft, verfälscht, wie eine Ahnung, wie ein unerfülltes Versprechen.
Denn Herr Harald steht dort, wo ihn niemand beachtet: hinter einem hölzernen Tresen, über den hinweg die Opernbesucherinnen und Opernbesucher ihm ihre Mäntel reichen. Und manchmal auch mehr als nur diese Mäntel.
Dagmar Leupold zeichnet ihn in ihrem Roman «Dagegen die Elefanten!» (dazu gleich mehr) mit liebevoller Präzision als einen Menschen, der allein ist, aber nicht einsam. Herr Harald könnte ein Bruder von Abschaffel sein, Wilhelm Genazinos Antiheld. Auch um ihn kümmert sich niemand. Er hat keine Freunde, keine Geliebte, nicht einmal Bekannte, nur irgendwann eine Katze, die er, weil er sich über deren Existenz wundert, «Nanu» nennt (dabei heißt ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt 8 2022
Rubrik: Magazin, Seite 75
von Olga Myschkina
Die Corona-Pandemie hat die Auftrittsund Karrierechancen junger Opernsängerinnen und -sänger weit stärker noch beeinträchtigt als die von berufserfahrenen Kolleginnen und Kollegen. Es war deswegen kaum verwunderlich, dass Liz Mohn, Präsidentin der nach ihr benannten Sektion der Bertelsmann Stiftung, in ihrer Rede die Bedeutung der ursprünglich bereits für 2021...
Die ersten Takte gehören ihm, dem Sadisten, dem Schlächter, dem Sexmonster: Scarpia ist die treibende Kraft dieses Thrillers. Die Liebenden, Tosca und Cavaradossi, Künstler sie beide, sind nichts als Opfer dieses perversen männlichen Willens. Der bleibt selbst postmortal noch omnipräsent – durch Scarpias Handlanger und durch die Macht der Musik, qua der Puccini der...
DEUTSCHLAND
Annaberg-Buchholz Winterstein-Theater
Tel. 03733/140 71 31 service@winterstein-theater.de www.winterstein-theater.de
- Hild, Neues vom Räuber Hotzenplotz: 9., 14., 17., 22., 28. (Natürbühne Greifensteine)
- Lippa, The Addams Family: 12., 20., 26. (Natürbühne Greifensteine) - Zeller, Der Vogelhändler: 18. (Naturbühne Greifensteine)
Bayreuth Richard...
