Helau!

Offenbach: Die schöne Helena am Staatstheater Mainz

Opernwelt - Logo

Selbst der liberalste Kosmopolit bezweifelt gelegentlich, dass die Kunstwerke sämtlicher Völker tatsächlich von Angehörigen sämtlicher Völker verstanden werden. Beziehungsweise angemessen interpretiert werden können. Schrieb Bruckner etwa für Burmesen? Liegen die Waiata-Gesänge der Maori auch den Gächinger Kantoristen gut in der Kehle? Und sollte man Sauerländern wirklich gestatten, Tango und Maxixe zu tanzen? Ein besonders fataler Fall misslungener Aneignung ist Jacques Offenbach, der boshafte Maître de plaisir des Zweiten Kaiserreichs.

Mag noch so viel kölscher Humor in ihm stecken – deutsche Bühnen kommen mit seiner Muse selten klar. Es fehlt an Esprit und Gaîté, und es fehlen die echten Knallchargen und Soubretten. So wurden wir nicht in die Salle Favart im 2. Pariser Arrondissement entführt, sondern in die Meenzer Fassenacht. Es ging lustig zu, der Witz eher vordergründig als hintersinnig, die Optik erwartungsgemäß auf griechische Klischees gestellt: Gyros am Schnellimbiss, die Götter als Olympioniken, der Himmel blau-weiß inklusive blau-weißer Luftballons – alles nett anzusehen, und vielleicht reicht das auch. Über die sängerischen Leistungen kann man ebenfalls streiten; ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2025
Rubrik: Panorama, Seite 45
von Volker Tarnow

Weitere Beiträge
Zu nobel für die Bühne

Wieviel Feinheit verträgt die Kunstform Oper? Charles Gounod schrieb für «Roméo et Juliette» eine außerordentliche Musik: gelehrt in der Verwendung traditioneller polyphoner Techniken, gediegen in ihrem wohltönenden, kunstvoll ausbalancierten Stimmensatz, raffiniert in der Aufbietung aparter Klangeffekte. Vom «großen Pinsel» machte Gounod ungern einmal Gebrauch, er...

Blow-up

Adèle Hugo (1830–1915) wurde schon einmal wiederentdeckt – 1968, als der erste Band ihrer umfangreichen Tagebücher erschien und François Truffaut ihre tragische Lebensgeschichte mit Isabelle Adjani in der Titelrolle verfilmte. Die künstlerisch hochbegabte Tochter des Lyrikers, Dramatikers und Romanciers Victor Hugo war ihrem Vater 1852 ins Exil auf die britische...

Pioniertat

Wenn die Lichter im Saal erlöschen, löst sich aus dem Dunkel der Bühne eine Gruppe von sieben Menschen, die, mit Taschenlampen in den Händen, ins Theater eingedrungen ist, dort auf zerfledderte Noten, barocke Prospekte und alte Kostüme stößt und jetzt spielt, was ihr in die Hände fällt. Dieser improvisierende Beginn, bei dem sich Realität und Fiktion, Personen und...