Pioniertat

Kusser: Adonis am Rokokotheater Schwetzingen

Opernwelt - Logo

Wenn die Lichter im Saal erlöschen, löst sich aus dem Dunkel der Bühne eine Gruppe von sieben Menschen, die, mit Taschenlampen in den Händen, ins Theater eingedrungen ist, dort auf zerfledderte Noten, barocke Prospekte und alte Kostüme stößt und jetzt spielt, was ihr in die Hände fällt. Dieser improvisierende Beginn, bei dem sich Realität und Fiktion, Personen und Figuren verwischen, bestimmt den temporeichen Abend. Alle Handgriffe, Kostümwechsel, Verwandlungen bewerkstelligen die «glorreichen» Sieben selbst.

Was sie zeigen, ist ein barockes Liebesverwirrspiel aus der antiken Götterwelt – «Adonis» von Johann Sigismund Kusser –, in dem Cupido die Paare aufmischt: Apollo, dem die keusche Daphne ihre kalte Schulter zeigt und Vulcanus, dem Pallas einen Korb gibt. Den bösesten Streich erlaubt sich der Liebesgott, wenn er seine Mutter Venus mit Adonis verkuppelt, den eigentlich nur die Jagd interessiert. Dieses Ganovenstück kann nicht gut ausgehen. Daphne entzieht sich Apollos Nachstellungen durch die Verwandlung in einen Baum; Adonis stirbt in Venus’ Armen, nachdem ihn ein Eber tödlich verletzt hat. Was das Stück abwechslungsreich macht, sind die kurzen, Schlag auf Schlag folgenden ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2025
Rubrik: Panorama, Seite 38
von Uwe Schweikert

Weitere Beiträge
Ein Häufchen Elend

Italienerinnen und Italiener haben ein gespaltenes Verhältnis zum Wasser. Zwar verbringen sie ihre Ferien am liebsten am Strand – doch schwimmen gehen sie kaum. Die Allermeisten wagen sich höchstens bis zur Hüfte ins Meer. Dort telefonieren sie dann ausgiebig, manchmal plaudern sie auch mit real anwesenden Mitmenschen. Junge Leute werfen sich, im Kreis stehend,...

Alleluja!

Wie der Tag des Jüngsten Gerichts klingen könnte? Er könnte so klingen wie in der Motette «In furore iustissimae irae» von Antonio Vivaldi: herb, heftig, markerschütternd. Gleich die erste Arie lässt – aus gegebenem Anlass für Altstimme transponiert – keinen Zweifel daran: Gott zürnt dem Menschen, weil dieser ein Sünder ist, der sich einfach nicht bessern will. Und...

Raritäten durchaus erwünscht

Nicht, dass es in den zwei Jahrzehnten zuvor schlecht gelaufen wäre, keineswegs. Immerhin wurde während der Intendanz von Eric Vigié der hochmoderne Anbau, mit dem die Opéra de Lausanne eine eigene Produktionsstätte erhielt, seiner Funktion übergeben. Doch mit der Ankunft von Claude Cortese, dem neuen Intendanten der Opéra de Lausanne, hat jetzt auch künstlerisch...