Heiterkeit aus Notwehr
Wie viel Antisemitismus steckt in den «Meistersingern»? Schwingen in der Figur Beckmessers die judenfeindlichen Reflexe Richard Wagners mit? War «die heil’ge deutsche Kunst», von Hans Sachs beschworen, als Kampfbegriff angelegt, oder wurde das Stück erst später nationalistisch vereinnahmt? Kann man, zumal nach dem Kniefall der Bayreuther Festspiele vor dem NS-Staat, diese Fragen auf der Bühne mit Humor, Ironie, den Mitteln der Groteske verhandeln, dass es eine heilsame Freude ist – zumal auf dem ideologisch kontaminierten Terrain des Grünen Hügels? Die Antwort: Man kann, wen
n man kann. Eine Laudatio auf die «Aufführung des Jahres»
Der Witz ist die letzte Waffe des Wehrlosen.
(Sigmund Freud)
Man schreibt das Jahr 1933. Parteigenosse Schulze begegnet auf der Straße seinem Bekannten Kohn und sagt provozierend «Heil Hitler!». Darauf Kohn: «Bin ich a Psychiater?»
Ein Aperçu mit double take, mit Zeitzünder, entnommen der legendären, jüdischen Witz in den Rahmen soziologischer Betrachtung stellenden Anthologie der Jaspers-Schülerin Salcia Landmann. Wobei Selbstironie, dialektische Akrobatik und Tiefenlotung diesen Humor entschieden von am Stammtisch gezündeten Lachraketen trennt. ...
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Etwas war anders als sonst. Ziemlich anders. Nicht mehr vier Teile, sondern nur deren drei enthielt das gemeinsam von Tatjana Gürbaca (Regie), Bettina Auer (Dramaturgie) und dem Dirigenten Constantin Trinks realisierte «Ring»-Projekt im Theater an der Wien. Grundidee war es, die Geschichte aus dem Blickwinkel der Opfer, der jungen Generationen in Wagners Zyklus,...
Ohne Spiel wäre die Menschwerdung des Menschen undenkbar, glaubte Friedrich Schiller. Nur als homo ludens sei dieser imstande, Sinn zu stiften. Nicht als auktorialer Erzähler, der über das Gute, Wahre und Schöne verfügt, sondern als Suchender in offenem Terrain. Der spielende Mensch handelt, spricht, tanzt, singt gleichsam auf Probe, um sich zu erkennen und die...
59. Jahrgang, Jahrbuch 2018
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